Kommunistischer Jugendverband (KJV)

Jugendliche ArbeiterInnen aller Länder, vereinigt Euch und kämpft gemeinsam!

Die kommunistische Jugendorganisation und ihre Arbeit an den Universitäten [Thesen, März 2010]

Nachstehende Thesen sind in unserer Broschüre „Thesen zu den Uniprotesten und über die Perspektiven der Bewegung“ enthalten, wo sie den vierten Thesenblock darstellen. Da die ersten drei Thesenblöcke konkret die Situation und Entwicklung der Unibewegung 2009/10 im Auge haben, werden sie hier, wo es um die allgemeinen programmatischen Grundlagen der Arbeit an den Universitäten geht, weggelassen. (Sie können aber jederzeit in der Broschüre nachgelesen werden.)

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1.) Die StudentInnenschaft „ist der am feinsten reagierende Teil der Intelligenz, die Intelligenz aber heißt gerade darum Intelligenz, weil sie die Entwicklung der Klasseninteressen und der politischen Gruppierungen in der ganzen Gesellschaft am bewusstesten, am entschiedensten und am genauesten widerspiegelt und zum Ausdruck bringt. Die Student(Innen)schaft wäre nicht was sie ist, wenn ihre politische Gruppierung nicht der politischen Gruppierung der ganzen Gesellschaft entspräche – ´entspräche` nicht im Sinne einer vollständigen Proportionalität zwischen den Studentengruppen und den gesellschaftlichen Gruppen nach Stärke und Zahl, sondern im Sinne des notwendigen und unvermeidlichen Vorhandenseins eben jener Gruppen, die es innerhalb der Gesellschaft gibt, auch innerhalb der Studentschaft“ (Lenin, „Die Aufgaben der revolutionären Jugend“, LW, Band 7, Seite 32). Als revolutionäre KommunistInnen muss es für uns klar sein, dass die Interessen der StudentInnen nicht homogen sind, sondern sich aufgrund der Klassenlage der jeweiligen sozialen Gruppen ergeben, nicht aus ihrer Lage als StudentInnen an sich. Diese Erkenntnis muss die Entwicklung der politischen Linie der revolutionären KommunistInnen in den Fragen des tertiären Bildungssektors bestimmen.

2.) Wie die KommunistInnen unter den StudentInnen arbeiten und nach welchen Kriterien sie dort genau vorgehen sollen, darf sich nicht allein nach dem jeweiligen Bewusstseinsstand  der Masse der StudentInnen richten, sondern muss anhand des Verhältnisses der unterschiedlichen sozialen Gruppen innerhalb der Studierenden zu den Kapitalisten einerseits und zur ArbeiterInnenklasse andererseits entwickelt werden. Der Stellenwert unserer jeweiligen Arbeit muss abgeleitet werden aus den Aufgaben gegenüber der ArbeiterInnenklasse, also der im Klassenkampf bestimmenden Kraft. (Dazu wollen wir festhalten, dass die Orientierung auf die ArbeiterInnenklasse für uns natürlich nicht aufgrund einer obskuren Arbeitertümelei, sondern wegen der Stellung des Proletariats als produzierende, aber nichts an Produktionsmitteln besitzende Klasse im Kapitalismus feststeht. Diese Lage macht das Proletariat zu jener gesellschaftlichen Kraft, die objektiv das meiste Interesse an der sozialistischen Revolution hat, und somit zur konsequent revolutionärsten Klasse. Als revolutionär können im konsequenten Sinne nur jene Kämpfe betrachtet werden, die den Kapitalismus aufgrund ihres Klassencharakters in seinen Grundwidersprüchen angreifen, nicht aber einfach „irgendwelche“ Kämpfe, auch wenn diese noch so eindrucksvoll sind.

3.) Wir lehnen die Theorie nach der die Ideen der StudentInnenmassen „in die ArbeiterInnenklasse getragen werden müssen“ ab, vertreten hingegen eine vom Standpunkt des Proletariats selbst entwickelte Linie. Dabei müssen wir den fortschrittlichen StudentInnen mit einer Politik begegnen, die wir aus den Grundwidersprüchen der kapitalistischen Gesellschaft ableiten und nicht mit Forderungen die aus der Perspektive des Studienplatzes formuliert sind.

4.) In diesem Sinne müssen wir auch gegen all jene Theorien ankämpfen, die vertreten, dass sich die StudentInnenkämpfe schon irgendwie auf andere gesellschaftliche Bereiche ausdehnen würden, die Funktion des Funken der einen Steppenbrand entfacht übernehmen könnten, wenn nur lange genug durchgehalten wird. Ohne dass das Proletariat als die stärkste und führende Kraft im Klassenkampf anerkannt wird, wird keine stabile Bewegung zu Stande kommen die mehrere gesellschaftliche Bereiche gleichzeitig erfasst. Diese Erkenntnis ist unabhängig vom derzeit niedrig entwickelten Stand der proletarischen Klassenkämpfe in Österreich, sondern ergibt sich aus der Stellung der ArbeiterInnenklasse innerhalb des kapitalistischen Systems. Die Gefährlichkeit der Vorstellung dass die StudentInnenbewegung „fließend“ in die ArbeiterInnenbewegung übergehe, sich der Kampf des Proletariats aus der StudentInnenbewegung entwickele, besteht darin, dass damit der bloßen Handwerkelei auf allen Ebenen ein neues Fundament, das aus bloßer Illusionsmacherei zusammengezimmert ist, gegeben wird. Diese Theorie ist in der Praxis meist mit der Hoffnung verbunden, dass sich die revolutionäre Organisation rein aus der Praxis entwickelt, Strategie  aus der Zusammenfassung zufälliger Erfahrungen entwickelt werden könne. Politisch spiegeln sich in dieser Theorie Spontaneismus und Opportunismus wider.

5.) Die soziale Bindung eines beträchtlichen Teils der StudentInnen an die Volksmassen, die Unsicherheit der Studien- und Berufsperspektiven, sowie die schlechte materielle Lage dieser Kräfte, die spontane Empörung gegenüber vom Kapital herbeigeführten Verschlechterungen, das subjektive Streben nach wissenschaftlichem Arbeiten bzw. wissenschaftlicher Erkenntnis, die teilweise (aber oft inkonsequente bleibende) Empörung gegen staatliche Repression, etc… all das kann zu gewissen Widersprüchen zum System in seiner derzeitigen Form führen und bildet damit eine wichtige Grundlage für die Teilnahme vieler StudentInnen an den Bewegungen der Arbeiterklasse bzw. Volksmassen.

6.) Mit der wachsenden Anzahl jener StudentInnen die neben ihrem Studium eine Lohnarbeit verrichten müssen, wächst objektiv auch die Zahl jener Studierenden, die neben einer teilweise vorhandenen ideellen Opposition zum Kapitalismus auch unmittelbar in den Widerspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital geworfen sind, also auch ein ökonomisches Interesse am Kampf gegen das Kapital als unmittelbaren Gegner haben. Diese StudentInnen haben am meisten Interesse am Sturz des Kapitalismus. Ihnen gegenüber müssen die revolutionären KommunistInnen besonderes Augenmerk darauf legen, dass eben diese StudentInnen zu verstärkter Anteilnahme an den sozialen und wirtschaftlichen Kämpfen der ArbeiterInnenklasse bewogen und längerfristig unter diesem Eindruck organisiert werden.

7.) Die revolutionären KommunistInnen müssen jenen Tendenzen entschieden entgegenwirken die sich formal zwar die „Verbindung der Kämpfe der Studierenden mit jenen der ArbeiterInnen“ auf die Fahne schreiben, real aber in ganz subjektivistischen Beweggründen ihre Ursache finden und einfach den einen Kampf dem anderen „überstülpen“ wollen. Es geht dabei nicht nur um den großen Schaden der so den Bewegungen zugefügt werden kann, sondern auch darum, dass die Kämpfe und Bewegungen innerhalb des Proletariats kein Experimentierfeld für subjektivistische Ambitionen einiger reaktionärer Intellektueller darstellen dürfen. Die Vorstellungen, dass man die Kämpfe der StudentInnen mit denen der ArbeiterInnen verbindet um schneller an die eigenen Ziele zu kommen, ist grundfalsch; es muss darum gehen, die gemeinsamen Interessen der Masse der Studierenden und jener der ArbeiterInnenklasse herauszuarbeiten und auf dieser Basis den gemeinsamen Kampf aufzunehmen. Die Verbindung dieser Kämpfe hat daher mit viel Bedacht zu erfolgen und es muss die Kraft der ArbeiterInnenklasse als die entscheidende, weil konsequenteste im Klassenkampf anerkannt werden.

8.) Der bürgerliche Staat entfaltet gegenüber den StudentInnenmassen mannigfaltige Vorgehensweisen um sie, vor allem StudentInnen aus Familien kleiner Angestellter oder der ArbeiterInnenschaft, an bürgerliche Interessen zu binden. Dazu zählen z.B. soziale Aufstiegschancen, höheres Ansehen bzw. kultureller Status, bessere ökonomische Absicherung, etc. Dieser Umstand führt unter den StudentInnen oft zu vielerlei Illusionen in den bürgerlichen Staat selbst, in dessen Wandel- und Reformierbarkeit, sowie zur Herausbildung einer kleinbürgerlichen Aufstiegsideologie. Diesem Sperrfeuer an reaktionärer bürgerlicher Ideologie müssen die revolutionären KommunistInnen in ihrem Handeln entschieden entgegentreten, darauf hinwirken, dass die fortschrittlichen Teile der StudentInnen diese Perspektiven bewusst in Frage stellen.

9.) Wir müssen einerseits klarstellen, dass das oberste Prinzip revolutionärer StudentInnen sein muss, den Volksmassen zu dienen, die Entfremdung von diesen aber niemals ein erstrebenswertes Ideal sein kann. Wenn StudentInnen ihren späteren Beruf tatsächlich in den Dienst der Massen stellen wollen, werden sie rasch erkennen, dass das im Kapitalismus nicht möglich ist. Dazu bedarf es der Errichtung des Sozialismus, dem System in welchem die ArbeiterInnenklasse die Macht innehat. StudentInnen die den Massen dienen wollen, müssen sich also dazu entschließen, ihre Kraft in den Dienst der Sache der proletarischen Revolution zu stellen. In diesem Kontext müssen wir immer wieder darauf hinweisen, dass selbst tiefgehende Reformen am Charakter der Gesellschaft nichts grundlegend ändern, und auch ein gänzlich anderes, für die Massen vorteilhaftes, Universitätssystem nur möglich ist, indem die Gesamtverhältnisse gestürzt werden.

10.) Ein junger Mensch der heute auf die Universitäten kommt, hat schon viele Jahre in den Bildungseinrichtungen des bürgerlichen Staates zugebracht, Jahre die ihm gegenüber vor allem darauf verwendet wurden, die kapitalistische Gesellschaftsordnung als die einzig humane und mögliche hinzustellen, die Widersprüche in der Gesellschaft zu verschleiern, die Unterordnung unter das Kapital perfekt einzuüben, kurz: darauf verwendet wurden die Hirne mit bürgerlicher Ideologie zu verkleistern und jegliche Bestrebungen zur Rebellion schon im Keim zu ersticken. Im tertiären Bildungsbereich wird dieser Prozess fortgesetzt. Da die fortschrittlichen StudentInnen in gewissem Maße in Widerspruch mit der bürgerlichen Wissenschaft bzw. der offiziellen Lehre geraten, ist es für die revolutionären KommunistInnen unumgänglich sich in hohem Maße mit der Kritik der bürgerlichen Wissenschaft auseinanderzusetzen, die Kritik bürgerlicher Wissenschaft zu einem fixen Teil ihrer hochschulpolitischen Arbeit werden zu lassen. „Die alte Schule war eine Schule des Auswendiglernens, sie zwang die Menschen, sich eine Menge unnütze, überflüssige, leblose Kenntnisse anzueignen, die das Hirn verkleisterten und die junge Generation zu Bürokratenseelen machten, die alle über einen Kamm geschoren waren. Ihr würdet jedoch einen großen Fehler begehen, wolltet ihr daraus den Schluss ziehen, dass man Kommunist werden kann, ohne sich das von der Menschheit angehäufte Wissen anzueignen. Es wäre irrig, zu glauben,dass es genüge, sich die kommunistischen Losungen, Schlussfolgerungen der kommunistischen Wissenschaft anzueignen, ohne sich jene Summe von Kenntnissen anzueignen, deren Ergebnis der Kommunismus selbst ist. Das Musterbeispiel dafür, wie der Kommunismus aus der Summe des menschlichen Wissens hervorgegangen ist, ist der Marxismus“ (Lenin, „Die Aufgaben der Jugendverbände“, LW Band 31, S.275).

11.) Der Kampf um die Erlangung der Möglichkeit der kritischen Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Kenntnissen und um die Sicherung dieser Möglichkeiten ist essentieller Bestandteil des allgemeinen Kampfes zur Verbesserung der Studienbedingungen und muss somit anliegen jeder progressiven Protestbewegung der StudentInnen sein. Dieser spezielle Kampf muss vor allem von jenen StudentInnen getragen werden die einer Lohnarbeit nachgehen müssen, denn ihnen werden diese ohnehin kaum vorhandenen Möglichkeiten, aufgrund ihrer sozialen Lage, erst recht verweigert. Würden sich die revolutionären KommunistInnen diesem Teilkampf entziehen, würden sie davon Abstand nehmen die StudentInnen mit der stärksten Bindung an die ArbeiterInnenklasse und die Volksmassen in einem wichtigen Anliegen zu unterstützen.

12.) Die Frage nach Stipendien muss von den revolutionären KommunistInnen sowie auch von jeder fortschrittlichen Bewegung an den Unis aufgegriffen werden. StudentInnen aus dem Proletariat und den Volksmassen sind davon insofern besonders betroffen, weil sie ohne den Bezug dieser Stipendien oft nicht studieren könnten. Die Mittellosigkeit jener StudentInnen die Stipendien beziehen, ihre unsichere wirtschaftliche Lage, wird vom bürgerlichen Staat dazu ausgenutzt, diese StudentInnen einer besonderen Schikanierung, Bevormundung und bürgerlichen Disziplinierung zu unterwerfen (z.B. in Form eines nachweisbaren „Mindeststudienerfolgs“ in einem Semester,…). Die an die Stipendien geknüpften Anforderungen dienen der Spaltung der StudentInnen, erschweren die Auseinandersetzung mit der jeweiligen Thematik genauso wie politische Betätigung der Betroffenen. Dagegen muss Widerstand entfaltet und die Trennung des Bezugs der Stipendien von diversen daran geknüpften Anforderungen angestrebt werden.

13.) Die Protestbewegung der StudentInnen von 2009/2010 zeigte offensichtlich das geringe Vertrauen der StudentInnenmassen in die ÖH (Vergl. dazu Thesen oben) welche sich selbst nur noch als Serviceorganisation definiert und jeglichen gewerkschaftlichen Charakter von sich weist. Gleichzeitig gab die Bewegung jedoch die Möglichkeit, einen großen Schritt in Richtung des Aufbaus unabhängiger studentischer Basiskomitees die nicht auf dem Stellvertreterprinzip basieren, an den Universitäten zu gehen. Dass das im Zuge der Bewegung nicht geschah, ist wesentlich auf die strukturellen Mängel der Bewegung zurückzuführen. Dennoch besteht nach wie vor eine günstige Gelegenheit mit dem Aufbau solcher gemeinsamer StudentInnenkomitees zu beginnen, was eine wichtige Aufgabe der verbliebenen AktivistInnen der Protestbewegung ist.

14.) Solche unabhängigen Komitees dürfen sich, um sich längerfristig nicht selbst zu isolieren und nicht in reine Standespolitik zu verfallen, niemals als reine Interessensvertretung der StudentInnen begreifen, sondern als Organe, welche gesellschaftliche Problematiken vor allem in den Lebenswirklichkeiten der StudentInnen bekämpfen und dabei auch enge Verbindungen zu fortschrittlichen ArbeiterInnenkomitees, etc. aufzubauen haben. Generell müssen sie sich als unmittelbare Organe der StudentInnenmassen definieren und nicht über die Ideologie des Stellvertretertums.

15.) Die Protestbewegung trug einen starken internationalen Charakter. Dem muss Rechnung getragen werden indem die Gelegenheit ergriffen wird eine längerfristig konzipierte stärkere internationale Vernetzung der progressiven StudentInnen der verschiedenen Länder zu schaffen. Das würde die Bedingungen verbessern gegen den Nationalismus unter der StudentInnenschaft, eines der wichtigsten Spaltungswerkzeuge der Herrschenden gegenüber den Massen überhaupt, zu kämpfen und eine internationalistische Perspektive zu verbreiten.

 
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