Kommunistischer Jugendverband (KJV)

Jugendliche ArbeiterInnen aller Länder, vereinigt Euch und kämpft gemeinsam!

Die kommunistische Jugendorganisation und ihr Verhältnis zur Parteiaufbauorganisation [Thesen, Juli 2010]

„Geht zur Jugend Herrschaften, das ist der einzige Rettungsweg. Sonst werdet Ihr, weiß Gott, zu spät kommen (ich ersehe das aus allem) und mit all Euren gelehrten Entwürfen, Plänen, Zeichnungen, Schemas und großartigen Rezepten, aber ohne Organisation, ohne lebendige Tat dasitzen“[1] 

I. Allgemeines zum Verhältnis zwischen Partei (AO) und Jugendverband

 1.) Vorweg zur Begriffsklärung: Unter dem Begriff ArbeiterInnenjugend versteht man zu einem Lehrlinge und  junge ArbeiterInnen; Sie sind unmittelbar in den Produktionsprozess eingebunden da sie lohnabhängig und somit unmittelbarer Teil der proletarischen Jugend sind. Dann gibt es noch junge Arbeitslose, die eine Zeit lang direkt in Produktionsprozess eingebunden waren, es durch Arbeitslosigkeit jedoch vorübergehend nicht sind. Weiters gibt es Jugendliche wie SchülerInnen und StudentInnen, die nicht direkt in den  Produktionsprozess eingebunden sind, aber aus ArbeiterInnenfamilien stammen und somit von dem Lohn ihrer Eltern abhängig sind, das ist der Grund, weswegen sie auch zur ArbeiterInnenjugend gezählt werden.

 2.) Die Frage nach dem Verhältnis zwischen Parteiaufbauorganisation und Jugendverband ist u.a. insofern eine besondere Fragestellung, weil sie innerhalb der Reihen der kommunistischen Organisationen das Verhältnis zwischen ArbeiterInnenjugend und ArbeiterInnenklasse widerspiegelt.

3.) Dass Jugendliche überproportional in wirtschaftlichen und sozialen Kämpfen vertreten sind, ist nicht idealistisch mit „besonderen psychologischen Eigenschaften“ oder ähnlichen pseudowissenschaftlichen Erklärungen zu verstehen, sondern ist dadurch begründet, dass die ArbeiterInnenjugend im Kapitalismus sowohl wirtschaftlich besonderer Ausbeutung ausgesetzt ist, als auch sozial auf der untersten Stufe der Hierarchien in Beruf, Familie, Gesellschaft,… steht – also auch am meisten unterdrückt wird. Die ArbeiterInnenjugend stellt somit eine der untersten Schichten innerhalb der ArbeiterInnenklasse überhaupt dar.

4.) Die Gewinnung der revolutionären Jugend, ist eine zentrale Frage im Parteiaufbau. Heute ist das einigermaßen weite Vorankommen im Aufbau einer revolutionären Kommunistischen Partei, ohne dass dafür besondere Formen des Herankommens an und der Organisation der Jugend entwickelt werden würden, undenkbar. Das hat vor allem mit dem Stand der Entwicklung der Klassenkämpfe in Österreich zu tun: „In der heutigen Situation bringt es nichts, auf die Entstehung weiterer kommunistischer Zirkel zu warten und zu hoffen, um dann den Parteiaufbau leichter zustande zu bringen. Bis der nächste kommunistische Zirkel – bei derart schwach entwickelten Klassenkämpfen – entstanden ist, ist der erste Zirkel schon wieder längst politisch versumpft“[2]. Revolutionär-Kommunistische Jugendorganisationen, müssen einerseits eine „Schule des Parteiaufbaus“ sein. Jugendliche müssen in ihnen grundlegende Kenntnisse der kommunistischen Theorie und Praxis erwerben. So erlangt die Frage eines Jugendverbands unmittelbare Bedeutung für die Frage des Parteiaufbaus.

5.) Auch längerfristig, also in einer Situation wo die Revolutionär-Kommunistische Partei schon aufgebaut ist, stellt die Organisierung der Jugend aufgrund ihrer (in Pkt. 3. festgestellten) Lage für die KommunistInnen eine Notwendigkeit dar, ist es doch gerade die ArbeiterInnenjugend, die objektiv eine jener gesellschaftlichen Schichten ist, die das meiste Interesse an der proletarischen Revolution und dem Aufbau des Sozialismus haben. „Wir können das Jugendproblem nicht ernst genug in unserer Partei aufrollen. Die Frage unserer Jugend ist keine Ressortfrage, sondern stellt einen wichtigen Teil des Problems der Machtergreifung der Arbeiterklasse dar“[3] 

II. Historisches zum Verhältnis zwischen Partei und Jugendverband

 6.) Seit dem Aufkommen der ersten Jugendvereine kann festgestellt werden, dass diese sich bei innerparteilichen Kämpfen jener Parteien denen sie nahe standen, überdurchschnittlich oft auf Seiten des revolutionären Flügels stellten oder diesen gar beinahe einzig ausmachten. So waren es die Jugendvereine der größten europäischen sozialdemokratischen Parteien, die auch nach dem Ausbruch des 1. Weltkriegs entgegen dem nationalistischen, chauvinistischen und kriegstreiberischen Wahn der Parteien eine weitgehend internationalistische, antimilitaristische und revolutionäre Orientierung vertraten. So war es auch die 1. Sozialistische Jugendinternationale, die sich, als die II. (sozialdemokratische) Internationale an der überwiegenden Zustimmung zum Krieg zerbrochen war, noch während des Krieges unabhängig neu konstituierte, die politische Arbeit wieder aufnahm und später eine Grundlage für die Gründung der Kommunistischen Internationale (KI) sowie der Kommunistischen Jugendinternationale (KJI) bildete. Gleiches ist auch nach der revisionistischen Entwicklung der kommunistischen Parteien zu beobachten – es waren hauptsächlich Jugendliche, die in den 60er und 70er Jahren weltweit neue kommunistische Organisationen und Parteien auf revolutionärer Grundlage bildeten. All diese politischen Kämpfe sind jedoch nicht als Kämpfe zwischen Alten und Jungen, sondern als Kämpfe zwischen revolutionärer und reformistischer Linie zu verstehen, und haben nichts mit einem „der Jugend eigenen Wesen“ zu tun. Es ist ihre besondere gesellschaftliche Lage, die weite Teile der Jugend potentiell für revolutionäre Ideen empfänglicher macht[4].

7.) Erst nachdem weltweit in den meisten Ländern kommunistische Parteien aufgebaut waren, änderte die KI zusammen mit der KJI ihren Kurs von der „absoluten politischen und organisatorischen Unabhängigkeit“ der Jugendverbände, auf eine Linie der „politischen Unterordnung aber absoluten organisatorischen Unabhängigkeit“ derselben, was unter anderem am 2. Weltkongress der KJI bestätigt wurde und die Grundlage für ein neues Programm bildete. Ausgangspunkt war dafür die Einschätzung, dass die Losung der absoluten Unabhängigkeit (also politisch und organisatorisch) nur dort objektiv revolutionär ist, wo noch keine „starken kommunistische Parteien bestehen“[5] oder zu einem Zeitpunkt „als es noch keine kommunistischen Parteien gab“[6] und sich die Jugendorganisationen erst von den reformistischen Parteien lostrennten.

8.) Die politische Unterordnung der Jugendverbände unter die kommunistischen Parteien fand auf Grundlage der Einschätzung statt, dass die kommunistischen Parteien die allgemeine Avantgardeorganisation der Klasse darstellen, dass die KPs an sich Kampforganisationen des Proletariats mit entsprechendem Programm sind. Da die ArbeiterInnenjugend ein Teil dieser Klasse ist, zwar spezielle aber keine von dieser losgelösten Interessen hat, sollte sie sich auf den Boden des allgemeinen politischen Programms der fortschrittlichsten Teile der Klasse selbst – der Kommunistischen Parteien (KP) – stellen, noch dazu, weil die Jugendverbände die organisierte Avantgarde der Jugendmassen darstellten. Die politische Unterordnung zielte somit nicht auf Kadavergehorsam ab, sondern hatte die Schaffung einer gemeinsamen Kampffront unter der Führung der objektiven Interessen der gesamten Klasse zum Inhalt.

9.) Die organisatorische Unabhängigkeit neben gleichzeitiger politischer Unterordnung war dabei wichtig um das gemeinsame politische Programm der organisierten Klassenavantgarde gemäß den speziellen Kämpfen und Interessen der Jugend umsetzen zu können und die Heranbildung neuer Kader für die Sache der Revolution zu gewährleisten. „Die ganze Geschichte der proletarischen Jugendorganisation aller Länder beweist, dass nur die selbstständigen, d.h. sich selbstverwaltenden Jugendorganisationen kühne und entschlossene KämpferInnen und geschickte OrganisatorInnen der proletarischen Revolution und der Rätemacht erwachsen“[7]

10.) Das Prinzip der politischen Unterordnung und organisatorischen Unabhängigkeit sollte auch verhindern, dass neben einer schon aufgebauten kommunistischen Partei eine eigene „Kommunistische Jugendpartei“ besteht, was nicht nur taktischer Unfug gewesen wäre, sondern sich auch gegen jene Strömungen richtete, die einen „Jugendsyndikalismus“, d.h. das schematische Gegenüberstellen von Jungen und Alten bzw. in der Jugend die revolutionäre Triebkraft allein aufgrund ihrer Jugendlichkeit erkennen zu wollen, betrieben.

11.) Obwohl die Jugendorganisationen sich weitgehend auf das politische Programm der jeweiligen Kommunistischen Parteien stellten, war es ihre Aufgabe eigene Programme zu entwickeln. Jene sollten die auch im Programm der KPs ausgearbeiteten Punkte unter besonderer Berücksichtigung der ArbeiterInnenjugend nochmals behandeln. Der Vergleich der Programme der Kommunistischen Internationale und der Kommunistischen Jugendinternationale zeigt am besten auf, dass dies kein negativer Widerspruch, sondern zur taktisch/strategischen Präzisierung des Vorgehens der KommunistInnen im jeweiligen Land sogar notwenig ist – vorausgesetzt, dass das Programm der KP durch die Jugendorganisationen als „Hauptprogramm“ angenommen wird.

III. Das Verhältnis von Parteiaufbauorganisation zu Jugendverband heute.

 12.) Entgegen den historischen Bedingungen unter denen das Problem des Verhältnisses von Parteiaufbauorganisation und Jugendverband bisher theoretisch am weitesten durchdrungen wurde, sehen wir uns heute einer Situation gegenüber, in der es, zumindest in Mitteleuropa, nirgendwo starke Revolutionär-Kommunistische Parteien gibt, sehr wohl aber einige schon über längere Zeit arbeitende Parteiaufbauorganisationen (PAOs). Im Hinblick auf die Frage der organisierten Klassenavantgarde muss gesagt werden, dass diese PAOs heute insofern nicht die voll entwickelte Avantgardeorganisation der Klasse sein können, weil die Klassenkämpfe nicht tiefgehend genug sind um eine umfassende und nicht nur punktuelle Überprüf- und Beweisbarkeit der theoretischen Grundlagen zuzulassen. Dasselbe gilt für die organisierte Avantgarde der ArbeiterInnenjugend – den Jugendverband. Mit der Änderung dieser Rahmenbedingung, muss sich natürlich auch das klassische Modell des Verhältnisses zwischen KP und JV ändern.

13.) Oft ist es so, dass Parteiaufbauorganisationen selbst noch kein voll entwickeltes Programm haben, sondern erst Teile desselben ausgearbeitet sind. Dies geht Hand in Hand mit dem Umstand, dass „organisierte Avantgarde der Klasse“ zu sein, heute mehr Anspruch und ‚streben nach…’ ist, anstatt tatsächlicher Fakt. Das alles darf unabhängig von reformistischen und revisionistischen Parteien und Gruppen organisierte Jugendverbände aber nicht davon abhalten, sich weitgehend auf den Boden jenes (Teil-)Programms zu stellen, das am ehesten dazu geeignet ist, ein Kampfprogramm für die ArbeiterInnenklasse für sich zu sein.

14.) Das sich der Jugendverband so weit wie möglich auf die programmatischen Grundlagen der Parteiaufbauorganisation stellt, darf sich nicht einschränkend  auf die eigene theoretische Arbeit auswirken. Im Gegenteil, es müssen innerhalb des Jugendverbands tiefgehende Debatten über eine revolutionäre kommunistische Programmatik stattfinden und allerlei Fragen zur revolutionären politischen Linie geklärt werden können. Damit einhergehend muss danach gestrebt werden, ein revolutionäres Kampfprogramm für die Jugend zu entwickeln – auch außerhalb der eventuell schon in einem Programm der Parteiaufbauorganisation enthaltenen allgemeinen Punkte.

15.) Da es in der heutigen Zeit grundsätzlich möglich ist gewisse Teile der Theorie zu erarbeiten, sie aber oftmlas nicht in der Praxis überprüfbar sind, ist es viel eher möglich als zu Zeiten voll entwickelter, starker KPs, dass in der Umsetzung der gemeinsamen programmatischen Grundlagen den Jugendverbänden in der Praxis die Rolle der Avantgardeorganisation zufällt, ganz einfach weil sie die programmatischen Grundlagen weitgehender umsetzen und die PAOs dieser Rolle im Feuer des Klassenkampfes nicht nachkommen können. Ist das der Fall und die PAO nicht in der Lage sich neue Formen des Kampfes anzueignen, also nicht mehr entwicklungsfähig ist, oder aber gewinnt eine revisionistische Linie innerhalb der PAO die Oberhand, so muss sich der Jugendverband mit dem revolutionären Flügel der PAO solidarisieren und gemeinsam erste Grundlagen für eine neue PAO legen, bzw. diesen Flügel im Linienkampf gegen den Revisionismus unterstützen.

16.) Gerade wenn die Klassenkämpfe wenig weit entwickelt sind und die PAO wie auch die Jugendverbände (JVs) erst am Anfang des organisatorischen und politischen Aufbaus stehen, kann es oft zu personellen Überschneidungen kommen. Dieser Umstand ist jedoch nicht negativ zu beurteilen, sind diese personellen Überschneidungen, die gegenseitige Vertretung des JV in der PAO und umgekehrt, doch wesentliche Voraussetzungen dafür, dass nicht nur die theoretische Basis in engerer Zusammenarbeit geklärt werden kann, sondern auch leichter eine gemeinsame revolutionäre Praxis entfalten wird. Es wäre dagegen grundfalsch aus der Situation der personellen Überschneidungen den Schluss zu ziehen, dass alle in den Jugendverbänden entwickelten Kader sofort an die PAO abgetreten werden müssten – so eine Entscheidung kann zu großer Instabilität des jeweiligen Jugendverbands führen und damit den Parteiaufbau selbst untergraben[8].

17.) Eine grundlegende Aufgabe in der die PAO den JV zu unterstützen hat, besteht in einer Phase des Organisationsaufbaus und der gleichzeitigen relativen Stabilität des imperialistischen Systems darin, die fortschrittlichsten Teile der ArbeiterInnenjugend für den revolutionären Kommunismus und die Arbeit im Jugendverband zu gewinnen. In dieser Phase kann es nicht darum gehen, einen Massenverband der Jugend aufzubauen, es müssen erst die Kader geschaffen werden, die den späteren Kern einerseits des Jugendverbands und damit in weiterer Folge des zukünftigen Parteiaufbaus ausmachen. Im Gegensatz zur Partei, muss sich der Charakter des Jugendverbands wenn die Voraussetzungen dementsprechend entwickelt sind, von einer Kaderorganisation zu einem Massenverband wandeln. 

18.) Aufgrund der jahre- bzw. jahrzehntelangen Dominanz reformistischer Strömungen in den Jugendbewegungen, steht heute vor revolutionären kommunistischen Jugendverbänden die Aufgabe nicht nur die revolutionäre Theorie für Fragen der Jugend auf Höhe der Zeit zu heben und bestmöglich voranzutreiben, sondern damit einhergehend auch das praktische Vorgehen des Jugendverbands gemäß einer revolutionären kommunistischen Ausrichtung zu entwickeln. Dabei muss der Jugendverband von der Parteiaufbauorganisation volle Unterstützung und Förderung erhalten. „Die Konzentrierung der Organisation auf die Förderung und Entwicklung des Revolutionär-Kommunistischen Jugendverbands ist daher eine entscheidende Aufgabe der Gesamtorganisation“[9].

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[1] Lenin/Stalin: Über die Jugend. Berlin 1953, S.66
[2] IA*RKP: Erfahrungen aus dem revolutionär-kommunistischen Parteiaufbau in Österreich 2002-2007: Fortschritte, Herausforderungen, Schwierigkeiten; in: Proletarische Revolution Nr.31, März 2008
[3] Ernst Thälmann; Rede an die Konferenz der KPD 1932
[4] Im Falle des Ersten Weltkriegs kommt noch hinzu, dass die Masse der Jugend in zusätzlichen Widerspruch mit dem Imperialismus geriet, da sie als erstes als Kanonenfutter an der Front eingesetzt oder aber im Land selbst als besonders billige Arbeitskraft eingesetzt wurde. Vor dem Aufbrechen solcher spezieller Widersprüche, verschärften sich mit der Situation des imperialistischen Kriegs natürlich auch die allgemeinen Widersprüche, wobei die ArbeiterInnenjugend auch diesen besonders hart unterworfen ist (Vergl. These 3).
[5] Leitsätze über die Jugendbewegung der Kommunistischen Internationale, in: Geschichte der KJI Bd.II, S.226
[6] Thesen des ZK des Russischen Kommunistischen Jugendverbandes, ebenda, S.227
[7] Leitsätze über die Jugendbewegung der Kommunistischen Internationale, ebenda, S.225
[8] Vergl. dazu: Roter Morgen Nr.23, „Über die Entwicklung der militanten Bewegung und revolutionären Jugendorganisationen in der Türkei“. Interview mit einem Vertreter der TKP/ML
[9] IA*RKP: Erfahrungen aus dem revolutionär-kommunistischen Parteiaufbau in Österreich 2002-2007: Fortschritte, Herausforderungen, Schwierigkeiten; in: Proletarische Revolution Nr.31, März 2008
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