Kommunistischer Jugendverband (KJV)

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Sexismus und Arbeitshetze in der Gastronomie

Posted by rkjv - Juni 29, 2012

Wir führten ein Interview mit Ina, zu ihrer Lage als junge Frau im Gastgewerbe. Ihr Alltag bei der Arbeit ist gekennzeichnet durch Stress, hohen Druck, Sexismus und Arbeitshetze… Eine Situation die sich in diesem Gewerbe für viele junge Frauen speziell über die Sommermonate noch weiter verschärft.  [Das Interview wurde erstveröffentlicht im Roten Morgen Nr.37.]

Ina ist 19 Jahre alt, sie arbeitet als Kellnerin in einem Hotel.

Ina: […] Dort sind wir permanent unterbesetzt. Aufgrund des hohen Arbeitsducks gehen sich dann einige KollegInnen gegenseitig an die Gurgel, anstatt einfach zu sagen, dass wir mehr Personal brauchen. Dieser Arbeitstress ist darauf zurück zu führen, dass die Chefs innerhalb des Betriebes immer behaupten, dass zu wenig „Budget“ für neues Personal da sei, wohingegen schon oft von denselben Leuten stolz angepriesen worden ist, dass wir eines der Hotels sind, die den größten Nettoumsatz machen, was eigentlich nichts anderes ist als der Profit. Für kaputte Arbeitsgräte ist beispielsweise laut ihnen auch kein Geld da, damit provozieren sie zusätzlich Arbeitsunfälle – zu denen, die ohnehin schon passieren, durch den vorher erwähnten Arbeitsdruck. Aber Hauptsache der Profit stimmt.

RM (Roter Morgen): Wie würdest du das Geschlechterverhältnis in der Gastronomie und speziell bei euch im Betrieb einschätzen?

Ina: Naja, für mich ist das ganz klar. Es arbeiten Großteils Frauen in der Gastro und dasselbe gilt auch für den Betrieb in dem wir arbeiten.

RM: Hast du vielleicht eine Idee woran das liegen könnte?

Ina: Darüber habe ich mir auch schon oft Gedanken gemacht und ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass der Ursprung des Ganzen darin besteht, dass wir schlicht und einfach Billigarbeitskräfte sind, die unsere Chefs ohne weiteres leicht ersetzen können. Frauen im allgemeinen werden, und das kann man zur Genüge beobachten, in Branchen reingedrängt, in denen die einzelnen Produktionsschritte oder Arbeitsabläufe leicht zu erlernen sind, im Gegensatz zu anderen Berufen. Die Konkurrenz unter den Arbeitskräften ist sehr hoch, klar es will jeder einen Job haben bzw. braucht man einen damit man die Kosten für das Überleben abdecken kann, dadurch bieten viele Leute ihre Arbeitskraft billiger an, wo wir auch schon wieder bei Billigarbeitskräften wären.

RM: Mit welchen Problemen seid ihr speziell als junge Frauen in eurer Branche konfrontiert?

Ina: Sexismus, mit dem sind wir auch konfrontiert. Dass uns Gäste blöd anmachen und wir ihnen nicht einmal direkt sagen dürfen, dass sie den Scheiß lassen sollen. Weil der Gast ja „König“ ist, so wie es unser Chef immer wieder sagt und betont. Zudem kommt noch, dass es einen neuen Trend, wenn man das so nennen kann, gibt, der beinhaltet, dass großteils nur noch junge, vitale, hübsche Leute einen Arbeitsplatz bekommen. Damit, wie in unserem Fall, auch die Gestopften etwas „fürs Aug“ haben. Das wird vorallem älteren ArbeiterInnen zum Verhängnis, denn die werden dann unter dem Vorwand „das sie sich nicht präsentieren können“ gekündigt, obwohl sie schon auf eine langjährige Erfahrung zurückgreifen können.

RM: Die Gastronomie ist eine derjenigen Branchen, in der die Arbeitsbedingungen ziemlich mies sind. Angefangen vom Lohn, langen und unregelmäßigen Arbeitszeiten, bis zur offenen Behandlung als Diener oder Sklavin – und trotzdem gibt es keinerlei Arbeitskämpfe. Woran könnte das liegen?

Ina: Boah, das ist eine Frage die mich unter anderem auch irrsinnig beschäftigt, aber die nicht in ein paar Sätzen zu beantworten ist. Ich werde es trotzdem mal versuchen. Zum Einen hängt das mit der unsicheren Lage in den verschieden Betrieben zusammen und da muss man zuallererst zwischen Leasing- Firmen und fixen Arbeitsstellen unterscheiden. Bei Leasing -Firmen wird ein einheitlicher Kampf selbst in einem Betrieb wahnsinnig erschwert dadurch, dass man keine fixen Arbeitsteams hat, man arbeitet immer mit verschiedenen Leuten zusammen. Das hat zur Folge das der Kontakt zu den ArbeitskollegInnen nur sehr lose vorhanden ist und somit auch die Koordinierung zu gemeinsamen Austausch über die Lage im Betrieb und was geändert werden muss, nicht gerade einfach ist. Ist ja nur logisch, weil die Leute immer zu anderen Arbeitszeiten, an anderen Tagen arbeiten müssen. Hinzu kommt noch, dass Leasing-Firmen nur wenig fixes Personal haben, sprich auf 40 Stunden- Basis, wohingegen der Rest geringfügig angestellt ist. Diejenigen ArbeiterInnen die geringfügig arbeiten müssen, werden zumeist noch mit einem „freien Dienstnehmervertag“ geknebelt. Dieser Arbeitsvertrag hat für die Betroffenen zur Folge, dass sie jederzeit, vorallem in schwachen Saisonzeiten rausgeschmissen werden können. Bei fixen Arbeitsstellen, wie Hotels, Restaurants usw. sieht das Ganze wieder ein bisschen anders aus, da hat man zumindest weitestgehend fixe Teams, das erleichtert einiges. Oftmals hat man auch sogenannte Teammeetings, in denen man „ganz offen und ehrlich“ sagen kann, wo einem der Schuh drückt. Die Sache hat einen Hacken: Unsere Chefs sitzen da auch dabei. Also ist da gar nichts mit offen und ehrlich sagen was man sich denkt.

Es traut sich kaum jemand sein Maul aufzumachen, weil man wirklich schnell zu ersetzen ist. Das ganze wird durch die Aufstiegsideologie und der Identifikation mit den Betrieb zusätzlich verschärft. Das bedeutet, viele glauben sie können sich aus ihrer beschissenen Lage hoch arbeiten und dann gehts ihnen besser als bisher. Das dies möglich ist, möchte ich hier nicht ausschließen nur muss man betonen, dass 1. dies nur ganz wenige sind ( wir sprechen hier von Supervisoren, Bakettleitern etc.) und 2. das dies dann jene sind, welche ihre KollegInnen, beim arbeiten auf die Finger schauen, ihnen dann ab und an einmal auf diese klopfen und wenn nötig auch rausschmeissen. Wenn sie das nicht tun fliegen sie selbst. Die Identifikation mit den mit den Betrieb ist auch nicht zu unterschätzen, denn sie ist für die Resignation der ArbeiterInnen mit unter anderem auch verantwortlich. Es gibt ja diesen Spruch „geht’s der Wirtschaft gut, gehts uns allen gut“ das umgelegt auf den Betrieb ist genau diese Betriebsidentifikation: „Wir müssen schauen, dass wir genügend Umsatz machen“ – doch wer sind, denn eigentlich wir? Die einzigen die wirklich davon profitieren, sind die Geschäftsführungen, sprich unsere Chefs, denn die streifen sich den Nettoumsatz ein. Was haben wir ArbeiterInnen davon wenn ihr, nicht unser, Hotel oder Restaurant, den meisten Nettoumsatz, sprich Profit schöpft? Nichts, rein gar nichts also warum immer versuchen die Seite der Chefs zu verstehen und Kompromisse eingehen? Sie scheissen ja genauso auf uns, das ist zumindest, das was ich mir denke.

RM: Was kann deiner Meinung nach jede und jeder im Betrieb tun?

Ina:Ganz einfach, zuerst einmal mit den KollegInnen darüber diskutieren, dass diese ganze Aufstiegsideologie und die Identifikation mit den Betrieb ein kompletter Scheiß ist. Die Belegschaft wird genau dadurch ruhig gehalten und hält immer brav das Maul, in der Hoffnung die Veränderungen bzw. Verbesserungen kommen ganz von alleine.

Ein weiterer Punkt wäre sich mal nach der Arbeit z.B. auf ein Bier zusammenzusetzen, um über die Lage im Betrieb zu diskutieren, damit man anschließend den Chef mit den Ergebnissen geschlossen mit den eigenen Forderungen gegenübertreten kann. Dort wo es schon Betriebsmeetings gibt, wäre es notwendig sich auch solche ohne Chefs zu schaffen und diejenigen die schon installiert worden sind für die Konfrontation zu nützen.

Weiter ist es wichtig über den eigenen Betrieb hinauszudenken, um sich mit anderen Betrieben zu vernetzen. Bei Hotels ist es unter anderem sehr interessant, denn hier könnten Arbeitskämpfe auch einen internationalen Charakter annehmen und somit die Schlagkraft um einiges vervielfältigen. Aber zuerst ist es wichtig sich zumindest im eigenen Betrieb zu organisieren – gegen die Verschlechterungen, den Sexismus, Kündigungen von KollegInnen, aber vorallem, denke ich mir, um auf Dauer etwas aufzubauen. Denn die leben von unserer Arbeit, schöpfen daraus ihren Profit, und das wird sich nicht ändern, solange wir bei Verbesserungen unter den gleichen Verhältnissen stehen bleiben.

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