Kommunistischer Jugendverband (KJV)

Jugendliche ArbeiterInnen aller Länder, vereinigt Euch und kämpft gemeinsam!

Lassen wir der bürgerlichen Aufstiegsideologie keine Chance! Junge ArbeiterInnen, entlarvt eure Klassenfeinde!

Posted by rkjv - Juni 4, 2012

Wir müssen hier raus!

Nachstehend ein Artikel zu Kultur und bürgerlicher Illusionsmacherei, im Bezug auf eine TV Show mit dem Rappstar Sido:

Seit Dezember 2011 läuft die Sendung „Blockstars -Sido macht Band“, in der meist arbeitslose, drogenabhängige Jugendliche gecastet werden und ihnen der „Aufstieg in ein reiches und glückliches Leben versprochen wird“. Sido lässt sie dafür rappen und singen – wer versagt, fliegt raus. Beschrieben wird die Sendung als eine Art Sozialprojekt, da Sido Jugendlichen aus armen Verhältnissen helfen möchte.

Doch was steckt wirklich dahinter?

Diese Sendung verkörpert die reine Aufstiegsideologie, denn sie vermittelt den jungen Leuten einerseits, dass man nur mit Geld und Ruhm glücklich werden kann, was zum Schluss auf den Gewinner zutrifft. Dieser wird seiner Klasse, dem Proletariat, den Rücken zukehren – immerhin hat „er es ja geschafft“ und gehört jetzt zu den Reichen. Genau das ist doch auch bei Sido passiert, er stammt auch aus der Arbeiterklasse, durch seine Musik wurde er reich und fühlt sich ihr nun nicht mehr zugehörig. Nun möchte er jungen Menschen, die genauso arm sind wie er war, „helfen“, indem er sie lediglich durch ihre Musik Geld verdienen lässt und so ihr Klassenbewusstsein zerstört, da sie immerhin aus der Arbeiterklasse „gezogen“ werden. Was passiert also? Menschen aus derselben Klasse raufen sich nicht zusammen und ändern gemeinsam etwas an dem System, nein – sie haben den „Aufstieg“ in die Bourgeoisie zum Ziel.

Andererseits kommt auch vor, dass Sido den jungen Menschen, die in der Sendung bereits rausgeflogen sind, Jobs vermittelt, mit der Aussage: „Jeder kann arbeiten, es gibt genug Jobs!“. Doch man darf nicht vergessen, dass sich nicht das Proletariat aussucht, wann und wieviele Jobs angeboten werden, sondern die Bourgeoisie bestimmt, wer Arbeit „findet“, also bekommt, und wer nicht. Die Jugendlichen hier sind also nicht freiwillig arbeitslos, sie stellen für die Bourgeoisie lediglich eine Art Reserve an Arbeitskraft dar.

Durch die Aussage „Jeder kann es schaffen“ implizieren möglicherweise viele junge ZuschauerInnen, dass es wirklich möglich ist, in dem derzeitigen System alles zu schaffen, wenn man sich nur genug anstrengt. Doch das ist nicht so, denn das Proletariat wird von der Bourgeoise unterdrückt und ausgebeutet, weil sie es in der Hand hat, wer „es zu etwas bringt und wer nicht“. Somit führen solche Sendungen mit derartigen Aussagen zu einem mangelnden Klassenbewusstsein, da die Wirklichkeit verschleiert und komplett falsch dargestellt wird.

Für diese Sendung hat Sido das Lied „Geboren um frei zu sein“ von Ton Steine Scherbe gecovert und es mit einigen von ihm stammenden Textpassagen ausgebaut. In diesem Lied geht es darum, dass wir – das Proletariat, die Masse – frei sein und „hier raus müssen.“. Das „Rausmüssen“ wird in der Sendung jedoch fälschlicherweise dadurch gezeigt, dass Menschen aus der Arbeiterklasse raus müssen und sich ihre Freiheit durch Geld, Macht und Ruhm ermöglichen. Eigentlich wäre hier der Sturz des Systems durch die Arbeiterklasse gemeint, denn nur so kann sie frei sein, eben, wenn sie nicht mehr von der Bourgeoisie unterdrückt wird!

Bevor die Sendung das erste Mal ausgestrahlt wurde, sagte Sido in einem Interview folgendes: „Für so’n normalen Österreicher, so’n normalen Zuschauer, der mindestens aus der Mittelschicht kommt, für den ist das schockierend, so was zu sehen. Da bin ich mir sicher.“

Mit dieser Aussage hat er vermutlich Recht, doch man fragt sich auch, was das bringen soll, wenn die Bourgeoisie schockiert ist über diese Zustände? Dass es auch in Österreich extreme Armut gibt, wird wohl jedem klar sein und es ändert sich trotzdem nichts daran. Wenn man diese Armut nun direkt vor Augen geführt bekommt, und das im Fernsehen von einem berühmten Rapper, dann kann es schon sein, dass das Thema neu aufgerollt wird und vielleicht eine Art Spendenaktion stattfindet und den Leuten Jobs vermittelt wird. Doch dann werden sie von Arbeitslosen zu ausgebeuteten LohnarbeiterInnen.

Soll dieser Schritt etwa den Satz „jeder kann es schaffen!“ verkörpern? Nur wenn man Arbeit hat, egal unter welchen Umständen diese stattfindet, hat man es „geschafft“? – Nein, wir haben es dann geschafft, wenn es keine Unterdrückung mehr durch die Bourgeoisie gibt, wenn wir nicht mehr als Ware angesehen werden, die Profit für die Bourgeoisie schlagen muss, wenn wir, das Proletariat, selber entscheiden können, was und wie viel produziert wird. Wenn wir eine klassenlose Gesellschaft geschaffen haben – erst dann sind wir wirklich frei!

Wir müssen hier raus von Ton Steine Scherben

Songtext: von Ton Steine Scherben, 1972; M/T: Rio Reiser und R.P.S. Lanrue

Im Bett ist der Mensch nicht gern alleine

und in meinem Bett ist grad noch Platz für dich.

Doch mein Alter ist fast jeden Tag zu Hause

und ich glaub, er hat was gegen dich.

Für mich ist die Welt nicht mehr in Ordnung,

nicht früh um Sieben und auch nicht nach der Tagesschau.

Für mich heißt das Wort zum Sonntag „Scheiße“

und das Wort zum Montag „Mach mal Blau“.

 Refrain:

Wir müssen hier raus! Das ist die Hölle!

Wir leben im Zuchthaus!

Wir sind geboren, um frei zu sein,

wir sind zwei von Millionen, wir sind nicht allein.

Und wir werden es schaffen, wir werden es schaffen.

 

Mein Alter sagt, die Welt wird sich nicht ändern,

dabei weiß er ganz genau, was läuft.

Doch er glaubt, er vergißt die ganze Scheiße,

wenn er abends in der Kneipe hängt und säuft.

Er sagt, der schönste Platz ist immer an der Theke,

da hat er recht, zu Haus ist kaum noch Platz für drei.

Darum bin ich auch den ganzen Tag auf Arbeit,

man kann sagen, ich bin so frei.

Wir werden es schaffen.

Und was kann uns hindern? Kein Geld, keine Waffen,

wenn wir es woll’n. Wir werden es schaffen.

Wir sind geboren, um frei zu sein.

Wir sind zwei von Millionen, wir sind nicht allein.

Wir sind geboren, um frei zu sein,

Wir sind 60 Millionen, wir sind nicht allein.

Wir sind geboren, um frei zu sein.

Frei!

 

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