Kommunistischer Jugendverband (KJV)

Jugendliche ArbeiterInnen aller Länder, vereinigt Euch und kämpft gemeinsam!

Hackerangriffe – im Interesse von ArbeiterInnenklasse und Volksmassen?

Posted by rkjv - Oktober 4, 2011

Seit nun geraumer Zeit erregen einige Internetaktivisten/-gruppen Aufsehen in den Medien. Breite Teile der Medienlandschaft berichten seit der ‚Operation Chanology‘, welche sich gegen Scientology richtete, aber auch den als ‚Operation Payback‘ bekannten Attacken auf Unternehmen wie PayPal und MasterCard, die als Unterstützungsakt für die Enthüllungsplattform ‚Wikileaks‘ von einer Gruppe mit dem Namen ‚Anonymous‘ durchgeführt wurden, nun laufend von deren Aktivitäten. Doch wer verbirgt sich hinter ‚Anonymous‘? Zunächst einmal muss festgehalten werden, dass Anonymous keine feste Basis an Mitgliedern hat, sondern sich als loses Kollektiv aus Einzelpersonen zusammensetzt. Innerhalb der Gruppe entscheiden die Mitglieder, was unternommen wird. Können sich genug Aktivisten für eine Aktion zusammenfinden, wird sie durchgeführt.

Zum Beginn von Anonymous gab es durchaus Demonstrationen mit mehreren Tausend Menschen in unterschiedlichen Ländern, doch von dieser Bewegung ist heute nicht mehr viel übrig; einer tiefgreifenden Veränderung unterworfen, findet sich Anonymous heute fast nur noch im Internet wieder. Dieses soll auch als „Medium für die Weltrevolution“ verwendet werden – breiteste Teile der Welt, wie etwa ein Großteil des Trikonts (Afrika, Asien, Lateinamerika), oder auch jene Schichten des Proletariats die sich keinen Internetzugang leisten können, können in diesem Plan jedoch nicht berücksichtigt werden. Anhand des Beispiels Ägypten sehen wir auch, wie einfach es für die dortige Regierung war, anlässlich der dortigen Aufständen das gesamte Internet und Mobilfunknetz abschalten zu lassen.

 

Eine andere Hackergruppe nennt sich LulzSec, sie haben sich durch Hacks von PBS (amerikanisches Nachrichtennetzwerk), Sony, CIA, eines zum FBI gehörenden Unternemen, und der Datenbanken der Gesetzesvollstreckung von Arizona bekannt gemacht. Sie haben die ‚Operation AntiSec‘ (Anti-Security) ins Leben gerufen. Zwar hat sich LulzSec offiziell aufgelöst, doch arbeiten sie nun gemeinsam mit Anonymous an AntiSec weiter – eine Operation, welcher sich auch türkische GenossInnen unter dem Namen RedHack angeschlossen haben – im Rahmen von AntiSec haben sie etwa anlässlich des Jahrestages des Sivas-Massakers über 1000 türkische Webseiten der türkischen Regierung und des kreationistischen Schriftstellers Adnan Oktar zeitweise übernommen und verändert und setzen sich auch etwa gegen Zensur ein. Auch nach LulzSec’s Auflösung gehen aber Angriffe unter ihrem Namen weiter – allerdings liegt die Vermutung nahe, dass dahinter andere Personen stecken.

Laut einem vom Falter geführten Interview mit ‚Anonymous Austria‘ weichen die politischen Ansichten und Motive aller Beteiligten stark voneinander ab, wobei sich aber eine „Tendenz in Richtung direkter Demokratie“ erkennen lasse – eine Tendenz, welche sich auch gegen Staat und Banken zu wenden scheint. So hieß es etwa in einer Twitter-Nachricht, dass ‚Regierungen und Banken gar nicht wüssten, was auf sie zukomme‘, und so wurden beispielsweise die Webpräsenzen der SPÖ (auch etwa am Tag der Bezirkswahlen in St. Pölten) und FPÖ gehackt und Daten veröffentlicht.

Offensichtlich sind die Herrscher der Welt nicht in der Lage, sich gegen solche Angriffe zu wehren – aber das brauchen sie auch (noch) gar nicht. Sie können sich darauf beschränken, mit Begriffen wie ‚Cyberterroristen‘ und ‚Cyberkriminelle‘ um sich zu werfen. Ist die Angst vor diesem ‚Terror‘ im Volk weit genug geschürt, werden von der Masse wohl auch scharfe Repressionsmaßnahmen, wie etwa die Vorratsdatenspeicherung (derzeit ein aktuelles Thema), akzeptiert werden.

Kürzlich wurden ca. 25.000 Datensätze, welche Namen und Adressen von Polizisten beinhalten, veröffentlicht – laut Medien eine Kritik von Anonymous an der geplanten Vorratsdatenspeicherung.

Eine manchmal auftretende Stellungnahme der Hacker nach einem erfolgreichen Angriff ist die, dass mit dem Angriff nur Sicherheitslücken in den EDV-Systemen betroffener Institutionen aufgezeigt werden sollten. Solch eine Stellungnahme ist aber sehr problematisch, wenn man bedenkt, dass sie als logische Folgerung den Staat dazu auffordert, das Internet „sicher“ zu machen. Nachdem etwa vom Gebühren-Informations-Service (GIS) jede Menge Kundendaten erbeutet wurden, lautete die Forderung an das GIS, es möge seine Sicherheitslücken in vollem Umfang zugeben, ansonsten würden all diese Kundendaten online veröffentlicht werden. Vom Standpunkt der ArbeiterInnenklasse aus, ist solch eine Forderung komplett inakzeptabel. Zum einen stellt sich die Frage, auf welcher Seite die, die solche Forderungen stellen, denn überhaupt stehen. Warum sollen Kundendaten von GIS-Zahlern veröffentlicht werden? EinE durchschnittliche/r ProletarierIn muss ja auch einen GIS-Beitrag zahlen, so eine Forderung richtet sich also klar gegen die Masse an ArbeiterInnen. Außerdem wird es wohl kaum im Interesse des Proletariats stehen, sich den Ausbau einer Institution wie der GIS zu einem uneinehmbaren, virtuellen Bollwerk gegenüber zu sehen. Das Interesse des Proletariats besteht nicht in der Absicherung, sondern in der Zerschlagung solcher Systeme!

Auch die Forderung nach einer ’sicheren‘ Vorratsdatenspeicherung würde den bürgerlichen Staat beauftragen, diese Sicherheit zu gewährleisten – anstatt gegen die staatliche Repression, die Vorratsdatenspeicherung an sich, zu kämpfen.

Mittelfristig ist konkret der österreichische Staat allerdings sehrwohl darum bemüht, diesen Entwicklungen, den Angriffen durch Hacker, Einhalt zu bieten: so sollen zum Einen 1600 (!) Cybercops ausgebildet, zum Anderen ein „Supercomputer“ angeschafft werden, die in der Lage sein werden, sowohl die staatlichen Institutionen entsprechend zu schützen, als auch verschlüsselte Verbindungen oder Datenträger von Aktivisten, verdächtigen Personen oder auch internationalem Verkehr abzufangen und zu entschlüsseln, und somit sogar direkt in die Offensive gehen. Das alles natürlich unter dem Deckmantel der ‚Prävention‘ und ‚Kriminalitätsbekämpfung‘. Dass solche Eingriffe in grundlegende Rechte eine Verletzung seiner eigenen Verfassung darstellen – sei etwa das Briefgeheimnis genannt – ignoriert der bürgerliche Staat dabei aber ruhigen Gewissens. Die USA hat kürzlich den Cyberspace (neben Land, Luft, und See) zum vierten militärischen Aufmarschgebiet erklärt. Virtuelle Angriffe, Spionage etc. können demnach auch als kriegerischer Akt und als Auslöser für eine Kriegserklärung herangezogen werden. Auch die chinesische Regierung unterhält eine Armee an Cyberspezialisten, die Blaue Armee („Blue Army“). In diesem Licht kommt man kaum umhin, den Auftrag zum Bau dieses „Supercomputers“, welcher konkret an die FH Hagenberg in Oberösterreich erteilt wurde, als landeseigene Kriegsindustrie zu betrachten.

Dass so viele erfolgreiche Angriffe stattfinden können, zeigt uns aber auch, dass hierin noch viel Potential liegt. Es wäre jedoch zu kurz gedacht, davon auszugehen, dass allein Hackerangriffe – selbst wenn es sich um gerechtfertigte Aktionen handelt – auf Staat und Konzerne irgendetwas ändern würden. Anstatt einzelne Kämpfe gegen Staat und Kapital zu führen, sollten wir uns organisieren und unsere Kämpfe verbinden, denn nur gemeinsam, nur wenn wir auf allen Fronten unnachgiebig unsere Forderungen durchsetzen, werden wir siegen. Ein Kampf für die unterdrückten Massen muss ein Kampf gegen den bürgerlichen Staat sein – er kann aber kein Kampf ohne die ArbeiterInnenklasse und Volksmassen selbst sein, ohne eine ihnen dienende, von ihnen selbst aufgebaute und in den Kämpfen an forderster Front stehende Organisation.

Fortschrittliche und revolutionäre Angriffe auf den bürgerlichen Staat und Kapital sind immer zu begrüßen – dass aber die politische Macht im Endeffekt dennoch aus den Gewehrläufen kommt, zeigte uns nicht zuletzt die Festnahme dutzender mutmaßlicher Mitglieder genannter Hacker-Gruppierungen.

Kämpfe verbinden und ausweiten – die Macht auf der Straße erobern!

 

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