Kommunistischer Jugendverband (KJV)

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Interview: Gentrifizierung in Wien

Posted by rkjv - September 1, 2011

„Genau an dieser Stelle ist der ungleiche Kampf zwischen Mieter und Vermieter klar zu erkennen, nach dem „Motto“: Wer das Geld hat die Macht und wer die Macht hat, hat dasRecht…“

Interview mit einem Betroffenen der Gentrifizierung „Stadtteilaufwertung“ in Wien:

RoMo: Hallo erstmal! Es freut uns sehr, dass du dir Zeit genommen hast für ein Interview. Sei doch so nett und erzähl uns ein bisschen was von dir. Wie heißt du, wie alt bist du und was machst du?

David: Ich bin der David, bin 20 Jahre alt und arbeitslos. Ich versuche meine Matura nachzumachen und bin auf Jobsuche, aber leider bin ich noch nicht fündig geworden.

RoMo: Kannst du für unsere LeserInnen einmal kurz berichten, wie es derzeitig um deine Lebenssituation bzw. Wohnsituation bestellt ist?

David: Naja, ich lebe noch bei meinen Eltern, da ich mir kein WG-Zimmer, geschweige denn eine Wohnung samt den ganzen Nebenkosten, die noch hinzukommen leisten kann, weil ich kein fixes Einkommen habe, das die anfallenden Kosten abdecken würde. Wir wohnen in einem ArbeiterInnen- und MigrantInnenviertel. Ich lebe in dieser Wohnung seit meiner Geburt. Meine Eltern zogen vor über 30 Jahren in diese Wohnung ein, es gab kein Wasser in der Wohnung, sondern man konnte nur das Waschbecken draußen am Gang nutzen, das Klo ist heute noch am Gang, Strom war damals unzulänglich, weil es keine Elektroinstallationen gab usw. . Meine Eltern haben auf eigene Kosten die Wohnung saniert, weil sie einfach in einem unbewohnbaren Zustand war, dadurch war sie aber extrem billig und deswegen konnten meine Eltern einen unbefristeten Mietvertrag mit den alten Hauseigentümer abschließen.Vor knapp 6 Monaten wurde das Haus dann verkauft und dann begann der ganze Ärger mit dem neuen Eigentümer.

RoMo: Was ist im Laufe dieser Monate passiert?

David: Anfangs begann alles ganz harmlos. Zuerst gab es eine Besichtigung des Hauses, die ein Architekt durchführte und alles ganz eifrig per Digitalkamera dokumentierte. Nach 2 Monaten wurde unsere Wohnung schließlich auch vom neuen Hauseigentümer im Beisein von einem Vertreter der Hausverwaltung besichtigt. Unmittelbar nach diesem „Besuch“, machten sich Arbeiter gleich an die Renovierungsarbeiten in den anderen Wohnungen, wovon wir im Vorhinein nicht informiert wurden. Wir kamen erst im Nachhinein darauf, dass 90% der alten MieterInnen aufgrund ihrer befristeten Mietverträge vom Eigentümer und dessen Vertretung, die Hausverwaltung, rausgeschmissen worden sind! Das kann der Eigentümer mit uns nicht so leicht machen, zumindest noch nicht, weil wir einen unbefristeten Mietvertrag haben.

RoMo: Wie entwickelten sich die Geschehnisse weiter?

David: Weitere 2 Monate verstrichen, als mein Vater zur Hausverwaltung vorgeladen wurde. Vorwand dieser Vorladung war, dass der neue Hauseigentümer (=Kapitalist) „ein Problem“ mit den eigenständig durchgeführten Renovierung von uns hatte. In Wahrheit ist ihm der alte Mietvertrag ein Dorn im Auge, da wir nur knapp 100 Euro für ca. 70m2 pro Monat zahlen. Was extrem billig im Verhältnis zu anderen Wohnung ist und für den Kapitalisten, der das Haus neu „erworben“ hat, unzureichend Profit abwirft. Dann meinte dieser Handlanger des Hauseigentümers, dass dieser sich vorläufig mit einer Erhöhung von 10 Euro zufrieden gebe und wenn mein Vater auf dieses erpresserische Angebot eingegangen wäre hätte es laut Hauseigentümer auch kein Problem gegeben, doch mein Vater lehnte ab. Daraufhin trudelte ein Brief vom Rechtsanwalt ein, indem man uns androhte rechtliche Schritte gegen uns einzuleiten, wenn wir nicht gewillt sind mehr Miete zu bezahlen. Genau an dieser Stelle ist der ungleiche Kampf zwischen Mieter und Vermieter bzw. klar zu erkennen nach dem „Motto“: „Wer das Geld hat die Macht und wer die Macht hat, hat das Recht.“

RoMo: Was wären die Perspektiven für die Weiterführung eines Kampfes gegen den Hauseigentümer und seine kapitalistischen Interessen bzw. mit welchen Problemen seid ihr konfrontiert, bei diesem Kampf?

David: Da das Haus „gespalten“ ist durch Neumieter, welche die 90% Rausgeschmissenen ersetzten und die Erhöhung der Mieten im Kauf nehmen, ist ein einheitliches geschlossenes Vorgehen nicht möglich. Wir sind nur 4 betroffene Familien, die der neue Hauseigentümer rausschmissen will, wenn wir nicht dazu bereit sind mehr zu blechen, damit er seinen Profit steigern kann. Natürlich versuchen wir uns mit den AltmieterInnen zusammen zu sprechen und zu koordinieren, nur ist das Vorankommen ziemlich schwer für uns.

RoMo: Was könnt ihr ArbeiterInnen, die in derselben Situation sind, von euren bisherigen Erfahrungen mitgeben?

David: Erstens immer Kontakt zu den anderen MieterInnen suchen, einfach ein bisschen Smalltalk führen. Hätten wir das gemacht, dann hätten die anderen MieterInnen nicht „unbemerkt“ vor unseren Augen, rausgeschmissen werden können und man hätte sich etwas zum Kampf gegen den Hauseigentümer überlegen können, das war schlecht und wird uns wenn es so weiter geht letztendlich das Genick brechen. Wichtig ist es sich dann aber in selbst so einer Situation nicht unterkriegen zu lassen und gemeinsam, entschlossen dem Interesse des Kapitalisten entgegentreten.

RoMo: Wir bedanken uns recht herzlich für das Interview und dass du uns eure bisherigen Erfahrungen erzählt hast.

David: Es war mir ein Freude..

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