Kommunistischer Jugendverband (KJV)

Jugendliche ArbeiterInnen aller Länder, vereinigt Euch und kämpft gemeinsam!

Massenkämpfe gegen ein kapitalistisches Bahnprojekt in Italien

Posted by rkjv - August 22, 2011

Nachstehend dokumentieren wir eine Stellungnahme der maoistischen Kommunistischen Partei Italiens (PCmI) zu großen Massenkämpfen die im Juli in Norditalien, Val di Susa, stattfanden. Nach wie vor sind diese Kämpfe nicht vorbei, derzeit laufen Mobilisierungen für Demonstrationen und Kampagnen im Herbst. Auch wenn der Text zu diesem konkreten Ereignis nun schon vor über einem Monat geschrieben wurde, eröffnet er doch gute Einblicke in die Situation des Kampfes. Eigene Übersetzung, RKJV.

Die gestrige Demo und Belagerung von Val de Susa schrieb eine aufregende und wichtige Seite dieser Schlacht und der gesamten Protestbewegung der vergangenen Zeit. So wie die StudentInnenbewegung des 14. Dezember, zeigte nun der 3. Juli in Val de Susa, dass die Massen und ihre Organisationen Widerstand leisten können und der Verwüstung der Umwelt durch die Regierung, den Angriffen auf ihre Lebensbedingungen und dem Polizeistaat durchaus widerstehen. Es ist der massive Widerstand, der sich in den Angriffen entwickelt, der es möglich macht die Pläne des Staates und der Regierung zu durchkreuzen und der die Interessen und Bedürfnisse des Volkes zum Ausdruck bringt.

Durch die militärische Besetzung der Gegend, wurde dieses Projekt im Interesse des Profits und der Spekulation der dortigen Bevölkerung (…) gegen ihren Willen aufgezwungen – es handelt sich um die Form der Diktatur, des Faschismus, das alles ist Ausdruck eines Kriegs gegen die Massen und die Demokratie und es ist eine notwendige Anforderung, dagegen Opposition zu bilden, der Widerstand mit voller Stärke ist dabei voll und ganz legitim. In Val de Susa wurde genau das getan.

Annähernd 100.000 Personen wurden mittels verschiedenster Methoden über den Tag hinweg mobilisiert werden. Das ist die wirkliche Dimension dessen, was gestern passierte. Natürlich sind darunter die, die schlicht friedliche Protestmärsche wollten, jedoch auch jene, die sich entschlossen wirklich für die gemeinsamen Ziele aller DemonstrantInnen zu kämpfen. Nach der abscheulichen Polizeigewalt mit welcher die Regierung und ihre Repressionskräfte das Tal besetzen um das Projekt zu schützen, meinten riefen RepräsentantInnen der Proteste dazu auf: „Holt euch die Maddalena zurück!“. Die gemeinsame Mobilisierungsfront sammelte sich unter diesem Slogan und sie war und ist geeint, tut gemäß ihren Standpunkten und Möglichkeiten ihr Bestes, um diesen Slogan in einen konkreten Fakt zu verwandeln.

Heute produzieren die Regierung, die falsche Opposition, die Führer der Demokratischen Partei in der Region, Fassino und Chiamparino, die Presse, usw. ein falsches Bild über die Situation, was nur den Interessen der Spekulation, des Profits und der Mafia dient. Es gibt keine friedliche „Mehrheit“ und gewaltbereite „Minderheit“, sondern die gesamte Bewegung gibt in ihrem Ausdruck eine Antwort auf die systematische Gewalt der Regierung, versucht damit auch, deren Entscheidung zurückzuschlagen. Das Volk antwortet auf die organisierte, systematische Gewalt der Polizei, die in diese Auseinandersetzung gingen, als wären sie in Afghanistan – mit Laser, Radar, Spezialtruppen, Reizgas, Gummigeschossen; bereit zu verletzen und zu töten und damit eine weitere schamvolle Seite der Geschichte zu schreiben, die an die Bilder der Ereignisse in Genua 2001 erinnert. Doch dieser Gewaltapparat des Staates hinderte die DemonstrantInnen und die tausenden junger und alter Leute nicht daran, Stück für Stück ihre Antwort zu geben. Die von verschiedener Stelle berichtete Zahl von 200 Verwundeten auf Seiten der DemonstrantInnen ist wahr, die Zahl verletzter Polizisten hingegen nicht. Doch selbst wenn sie wahr wäre, muss man festhalten, dass die DemonstrantInnen sich nur gegen die Polizisten mit ihrem schweren Schutz, ihren Waffen und dem Gewaltmonopol des Staates, das diese als Schild gegen eine mögliche Strafe für ihre Gewalttaten nutzen, wehrten.

Tatsächlich handelten sie [die Polizeikräfte – Anm.d.Ü.] wie Besatzer, während die Bevölkerung als eine starke „Befreiungsarmee“ auftrat, wobei die am besten organisierten und Kämpferischsten unter ihnen, auch wenn sie aus anderen Städten kamen, sich wie Fische im Wasser bewegen konnten – was wiederum nur durch die Unterstützung aller, selbst derer, welche die Vorgänge nur am Rande begleiteten, ermöglicht wurde. JedeR unter jenen 10.000 Leuten die den stärksten Widerstand vorantrieben und die effektive Aktionen durchführten um ihre Seite aufzurichten, kann bezeugen, wie sehr die Bevölkerung sie unterstützte, aber auch, wie sehr die Polizei für ihre schamvolle Aktionen abgestraft wurde. So konnte die Bewegung gestern gewinnen, der Staat und seine Regierung wurden in dieser Frage geschlagen. Sie mussten beim Versuch der Realisierung dieses nicht notwendigen und gegenüber der Bevölkerung schlechten Projekts eine Besetzungsarmee schicken.

Der Staat, die Regierung, die parlamentarische Opposition und Parteien, die Kaste der Politiker und Geschäftsmänner, diese staatlichen Diebe, alle jene, die gestern einen harten Schlag abbekamen, reagierten mit Hysterie und beeilten sich, diese Volksbewegung zu kriminalisieren, nannten die DemonstrantInnen „Schwarzer Block“ und „Terroristen“, waren fest entschlossen, sie mit allen Mitteln zu schlagen und zu unterdrücken – mit Anklagen, Verfolgung und Standgerichten. All das erinnert an den Faschismus, setzte sich aber schon durch vor dem partisanenhaften Widerstand in diesem Tal. Tatsächlich können im Rahmen der Schlacht des 3. Juli die zigtausenden jungen Leute und die kämpfende Bevölkerung mit „unbewaffneten Partisanen“ verglichen werden.

Proletari Comunisti nahm, mit den wenigen zur Verfügung stehenden Kräften, bis zuletzt an dieser Schlacht teil. Nun muss die Bewegung und alle ihre organisierten Kräfte zu allererst diesen Tag des Kampfes verteidigen: mit Gegeninformation und der Weiterführung der Mobilisierung auf territorialer und nationaler Ebene, dadurch, dass wir die Wahrheit weiter verbreiten und die faschistoide Desinformation durch Regierung, Staat und ihre Medien aufzeigen. Dieser Tage müssen wir auf den öffentlichen Plätzen sein, sowie an den Arbeitsplätzen, zusammen mit allen anderen kämpferischen Bewegungen laut rufen:

Nein zum TAV!
Freiheit für das Val de Susa!
Nieder mit der Regierung der Repression!
Freiheit für die Inhaftierten GenossInnen!
Befreien wir die Bewegung von ihren falschen Freunden!

 

10 Jahre nach Genua 2001, versuchten die Regierung, der Staat und das System diesen Jahrestag im Val de Susa mit derselben Art der Gewalt zu feiern. Mortola, der nach wie vor unbestrafte Polizist von Genua 2001, ist nun Polizeikommandant in Turin – er steht für jenen Abschaum, der auch gestern die Repression führte. Doch damals in Genua leisteten die Massen, wie auch heute in Val de Susa, entschlossenen Widerstand und schlugen zurück. Diesen Kampf bis zum Schluss weiterzuführen, ist der beste Weg den Widerstand in Genua zu feiern und wieder aufzunehmen. Lasst und im Juli nach Genua zurückkehren und sagen:

Rebellion ist gerechtfertigt!
Die Ideen der Rebellion sterben niemals!
Nein zur Gewalt durch den Staat, zum modernen Faschismus und zum Polizeistaat! (…)
Nieder mit der Maroni-Berlusconi Regierung und jeder Regierung der Eigentümer, der Umweltzerstörung und der Repression!
Wir haben nicht zu verlieren als unsere Ketten, doch wir haben eine Welt zu gewinnen!

 

Proletari Comunisti – maoistische Kommunistische Partei Italiens, 4. Juli 2011

Anmerkung der Redaktion: Der RKJV teilt die im Text teiweise vertretene These vom Volkskrieg in imperialistischen Ländern, sowie die Theorie des modernen Faschismus, nicht, was nicht bedeutet, dass wir diese Konzepte nicht diskutieren würden.

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