Kommunistischer Jugendverband (KJV)

Jugendliche ArbeiterInnen aller Länder, vereinigt Euch und kämpft gemeinsam!

Thesen: Lehre und junge ArbeiterInnen im Kapitalismus und die Aufgaben der kommunistischen Jugendorganisation

Posted by rkjv - Januar 7, 2011

A.) Lehrlinge, junge ArbeiterInnen, ihre Forderungen und die ArbeiterInnenklasse.

1.) Lehrlinge und junge ArbeiterInnen sind keine von Rest der ArbeiterInnenklasse getrennte Gruppe, sondern ein Teil derselben. Ihre Lage ist gegenüber großen Teilen der ArbeiterInnenklasse jedoch durch verschärfte Ausbeutung (äußerst geringe „Entschädigungen“ anstatt Lohn [bei Lehrlingen], bzw. in der Regel äußerst niedrige Löhne [junge ArbeiterInnen]) und Unterdrückung (Kein Kündigungsschutz, bzw. gehäufte Verstöße gegen ArbeiterInnenschutz,…) gekennzeichnet.

2.) Die Situation in der sich Lehrlinge befinden, macht sie, neben HilfsarbeiterInnen, ArbeiterInnen mit ungeregelten Dienstverhältnissen, werktätigen Frauen und MigrantInnen, etc. zu einem wesentlichen Teil der untersten, d.h. am meisten ausgebeuteten, am wenigsten privilegierten Schichten der ArbeiterInnenklasse.

3.) Durch ihre politische und ökonomische Lage bedingt, entwickeln die Lehrlinge eigene, spezifische Interessen. Diese Interessen dürfen nicht als etwas Gesondertes, Separiertes gesehen werden, sondern müssen als Teil einer ganzen Palette spezifischer Forderungen innerhalb der ArbeiterInnenklasse ihren Ausdruck finden. So wichtig eigene Forderungen der Lehrlinge auch sind um den Kampf für deren Interessen voranzutreiben, so entschieden muss abgelehnt werden, dass sich diese Interessen in Forderungen die außerhalb der grundlegenden Klassenforderungen stehen, äußern. So wie der Lehrlingskampf ein Teil des Kampfes der ArbeiterInnen ist, müssen sich auch die Forderungen nach den Klasseninteressen orientieren.

4.) Jeder Art des „Jugendsyndikalismus“, also der schematischen Gegenüberstellung der Interessen von jungen und alten ArbeiterInnen, ist entschieden entgegenzutreten. Die Forderungen der Lehrlinge werden umfassend nur als Resultat des gemeinsamen Kampfes der ArbeiterInnenklasse erfüllt werden können. Kampfbereitschaft sowie Klassenbewusstsein sind in Österreich unter Lehrlingen nur geringfügig entwickelt, was nicht nur an den derzeit schwachen Klassenkämpfen, sondern auch daran liegt, dass es seit der Auflösung des Kommunistischen Jugendverbands (KJV) 1945 keine über längeren Zeitraum erfolgreichen Ansätze gab um die Lehrlinge eigenständig auf revolutionärer Grundlage zu organisieren.

B.) Lehrlingsarbeit und junge ArbeiterInnen im Kapitalismus.

5.)Derzeit sind in Österreich rund 130.000 Lehrlinge beschäftigt (Stand: 2009). Größter Beschäftigungsbereich ist dabei nicht die Industrie (16.654), sondern Gewerbe und Handwerk mit 59.788 Lehrlingen [Was einem Anteil von 45,4%, also beinahe der Hälfte aller Lehrlinge entspricht!]. Diese Aufteilung legt nahe, dass der größte Teil der Lehrlinge in Klein- und Mittelbetrieben arbeitet[i]

6.) Die Konzentration der Lehrlinge auf Klein- und Mittelbetriebe ist Resultat der Konkurrenz dieser Betriebe mit dem Monopolkapital. Das Kapital ist hier verschärfter Konkurrenz ausgesetzt, weshalb es die Lehrlinge als billige Arbeitskraft vermehrt nutzt. Weiters sind gerade in diesen Betrieben oft technisch vergleichsweise weniger hoch komplexe Maschinen oder Arbeitsgänge im Einsatz, was, im Gegensatz zur Industrie, ein breiteres Einsatzfeld der Lehrlinge zulässt.

7.) Lehrlinge kommen verstärkt in Zulieferbetrieben der Industrie zum Einsatz, was erklärt, warum es in der Industrie selbst verhältnismäßig wenige Lehrlinge, viele aber in industrialisierten Gebieten mit vielen Klein- und Mittelbetrieben[ii] (Zulieferungsfirmen, Einzelteilfertigung, etc.) gibt.

8.) Die Arbeitsteilung wird im Kapitalismus immer weiter vorangetrieben. In der Lehrlingsausbildug wirkt sich das so aus, dass sich die zu erlernenden Tätigkeiten immer weiter Spezialisieren, ein immer engerer Rahmen darum gezogen wird. Gleichzeitig bedeutet die fortschreitende Rationalisierung und weitere Mechanisierung der Produktion die immer geringere Notwendigkeit für das Kapital, gewisse Lehrberufe aufrechtzuerhalten und Lehrlinge auszubilden. Daher besteht die Tendenz, dass absolut immer weniger Lehrlinge ausgebildet werden[iii] .

9.) Bezüglich der Berufsschulen und der dort vermittelten theoretischen Inhalte, haben vor allem Kleinbetriebe, die oft auf dauernde Anwesenheit der billigen Arbeitskraft der Lehrlinge angewiesen sind, ein Interesse an einer geringen Berufsschulzeit und damit verkürzter theoretischer Ausbildung.

10.) Lehrwerkstätten befinden sich im Monopol von Konzernen besonders forschungsintensiver Branchen oder von Monopolunternehmen (z.B. ÖBB) und Staat („überbetriebliche“ Lehrwerkstätten). Von diesen werden sie vor allem zur Selektion der Lehrlinge genutzt. Nur wenige Lehrlinge werden fix übernommen, die anderen fallen unter „drop-out-Quoten“ oder werden über Leiharbeit, als Arbeitskraft der sich der Kapitalist leicht entledigen kann und deren Organisierung im Betrieb schwerer fällt, eingestellt.

11.) Mit den „überbetrieblichen“ Lehrwerkstätten gliedern die Kapitalisten immer größere Teile der Ausbildung aus den Betrieben aus und delegieren diese an den bürgerlichen Staat. Damit ist ein Verhältnis gegeben, in dem die Volksmassen die Ausbildung der Lehrlinge und jungen ArbeiterInnen zu einer voll ausgebildeten Arbeitskraft (die dann durch das Kapital in vollem Umfang ausgebeutet wird) durch Steuern indirekt selbst finanzieren müssen.

12.) Frauen/Mädchen werden vorrangig in niedergehende Berufe (z.B. Schneiderin) oder in solche mit Niedriglöhnen (z.B. Einzelhandelskauffrau)[iv] gedrängt. Die geringe Bezahlung der weiblichen Lehrlinge allgemein, vor allem aber in solchen „niedergehenden“ Berufen, wirkt sich nicht nur durch besonders niedrige „Lehrlingsentschädigungen“ aus, sondern auch insofern, weil sie keinerlei Perspektive haben nach Abschluss der Lehre auch nur annähernd nach dem Lohnniveau ihrer männlichen Kollegen bezahlt zu werden. Werktätige Frauen stellen einen Teil der ArbeiterInnenklasse dar, aus dem das Kapital Unsummen an zusätzlichem Profit herauspresst – vor allem die weiblichen Lehrlinge werden von diesem Umstand besonders hart getroffen.

13.) Vor allem in Dienstleistungsberufen ist oft nur eine relativ kurze Einarbeitungs- und Anlernzeit absolut erforderlich (z.B. Kellner/in). In diesen Berufen ist die Ausbeutungsrate der Lehrlinge besonders hoch, da sie nach erfolgter Anlernzeit als mehr oder minder vollwertige Arbeitskraft zu „Lehrlingsentschädigungen“ eingesetzt werden. Auch in diesen Berufen ist der Grad an weiblichen Beschäftigten besonders hoch[v].

14.) Je höher die Automatisierung und Technisierung eines Arbeitsfeldes entwickelt ist, desto öfter entstehen (neben so genannter ‚unqualifizierter‘, einfacher Arbeit) Arbeitsplätze, für die eine dem genannten Niveau entsprechend geringere Anlernzeit notwendig ist, d.h. weniger Kenntnisse erworben werden müssen, um eine spezielle Tätigkeit auszuführen. Die kapitalistische Einforderung von „universeller Einsetzbarkeit“ und „Flexibilität“ rechnet der Tendenz nach darauf, dass in der Lehre unterschiedliche Kenntnisse für verschiedene Tätigkeiten erworben werden und damit die Einsetzbarkeit des Lehrlings erhöht wird.

15.) Die jeweils vorausgesetzte Qualifikation bei Arbeitsantritt hängt mit vom Grad der Kenntnisse ab, die notwendig sind um die jeweilige Tätigkeit zu verrichten. Insofern sinkt die Qualifikationsanforderung tendenziell mit zunehmender Höhe der Mechanisierung der Produktion. In Berufen in denen besonders viel „unqualifizierte“ Arbeit aufgewendet wird, sinkt somit auch das Angebot an Lehrstellen. Eine jahrelange Ausbildung der Arbeiter/innen ist in ihnen für das Kapital nicht notwendig, es kann vermehrt ungelernte ArbeiterInnen und Hilfskräfte einstellen.

16.) In Berufen mit niedrigem Qualifikationsniveau gehen die angebotenen Ausbildungsplätze auch deswegen zurück, weil das Kapital die allgemein zugänglichen öffentlichen Bildungseinrichtungen (wie Polytechnische Lehrgänge, Handelsschulen,…), in denen die jeweils notwendige Qualifikation schon zu großen Teilen erworben werden kann, nutzt und somit diese Ausbildungen „auslagert“.

17.) Berufsberatung und Eignungstests richten sich nicht nach den Interessen und Bedürfnissen der jungen Arbeitssuchenden aus, sondern gestalten sich nach den Anforderungen und Bedürfnissen des Kapitals. Sinn und Zweck solcher Einrichtungen ist es, dahingehend zu wirken, dass entsprechend verwertbare Arbeitskräfte so zielgerichtet wie möglich dem jeweiligen Kapital zugeführt werden.

18.) Ein großer Teil arbeitsloser Jugendlicher muss durch ökonomische Zwänge (ansonsten drohen Kürzungen,…) auf Anweisung AMS-Kurse besuchen. Diese Kurse bieten dem bürgerlichen Staat einerseits die Möglichkeit die offiziellen Arbeitslosenstatistiken zu schönen, andererseits stellen diese Kurse vor allem ein Disziplinierungswerkzeug dar und können somit als direkte Unterdrückungsmaßnahmen des bürgerlichen Staates gegen die ArbeiterInnenklasse benannt werden. In ihrer wirtschaftlichen Bedeutung für das Kapital sind nicht darauf ausgerichtet den Betroffenen eine bessere Möglichkeit für den Berufseinstieg zu eröffnen, sondern darauf, die für den Verkauf der Arbeitskraft notwendigen Grundkenntnisse nicht brachliegen zu lassen.

19.) Durch den Zwang zu „ausbildungsfremden Tätigkeiten“ gegenüber den Lehrlingen durch das Kapital, wird aus diesen weiterer Mehrwert herausgepresst, weshalb der Zwang diese Tätigkeiten auszuführen nicht auf moralisch besonders üble Kapitalisten zurückzuführen, sondern im Rahmen der gesetzmäßigen Jagd nach Profit durch den Kapitalisten zu suchen ist. Muss der Lehrling Autos waschen, spart sich der Kapitalist extra dafür eingestelltes Personal bzw. den Kauf dieser Dienstleistung anderswo; Bierholen für die Kollegen verlängert wiederum deren mehrwertschaffende Arbeitszeit, sowie Zusammenkehren und Putzen einerseits speziell angestelltes Reinigungspersonal zumindest zum Teil überflüssig macht, zum Anderen gegenüber den Lehrlingen auch eine disziplinierende Wirkung hat.

C.) Die Organe der ArbeiterInnenjugend und die Aufgaben der kommunistischen Jugendorganisation.

20.) Die Österreichische Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) ist eine Serviceorganisation für Lehrlinge und junge ArbeiterInnen, aber keine kämpferische gewerkschaftliche Vertretung die den Kampf der Lehrlinge organisieren und deren Interessen wahrnehmen würde. Ihre Führung stellt die Arbeiterbürokratie innerhalb der Jugend dar, ist also ihrer Klassenlage und damit ihren Interessen nach, den Interessen der Lehrlinge entgegengesetzt.

21.) Die Jugendvertrauensräte (JVRs) sind ihren Kompetenzen und ihrer eigenen Aufgabenstellung nach, keine Kampforgane der ArbeiterInnenjugend auf betrieblicher Ebene. Vielmehr beschränken sie sich selbst auf eine „beratende“ und „mitbestimmende“ Tätigkeit. Da die JVRs aber unter bestimmten Voraussetzungen (z.B. der festen Verankerung einer kämpferischen Strömung unter den jungen ArbeiterInnen und Lehrlingen eines Betriebs) durchaus beispielsweise zu Mobilisierungszwecken genutzt werden können und darüber hinaus auch einen gewissen (wenn auch nur begrenzten) Schutz vor Repression bieten, kann es durchaus sinnvoll sein, wenn sich Revolutionäre im Betrieb an ihnen beteiligen. So eine Beteiligung kann aber nur unter der Voraussetzung der genauen Untersuchung der Lage im Betrieb, der Stimmung unter der Belegschaft und der Verankerung einer kämpferischen, revolutionären Linie innerhalb der jungen ArbeiterInnen und Lehrlinge stattfinden.

22.) Lehrlingsarbeit ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit der revolutionären KommunistInnen (und dabei vor allem der kommunistischen Jugendorganisation), da sich diese in ihrer Tätigkeit vor allem auf die unteren Schichten der ArbeiterInnenklasse zu konzentrieren haben.

23.) Die revolutionären KommunistInnen müssen der Organisierung und politischen Führung weiblicher Lehrlinge und junger ArbeiterInnen besondere Aufmerksamkeit schenken. Ihre Situation ist neben der verschärften wirtschaftlichen Ausbeutung auch durch die über das Patriarchat (z.B. sexuelle Belästigung,…) besonders ausgeprägte politische Unterdrückung gekennzeichnet, weshalb sie innerhalb der Lehrlinge zu den am meisten unterdrückten Schichten dieses Teils der ArbeiterInnenklasse gehören und großes Potential für Kämpfe gegen das Lohnsystem darstellen. Durch ihre Lage wird ihr objektives Interesse an der sozialen Revolution besonders begünstigt, was ihre Gewinnung für das Herankommen an die Revolution unbedingt notwendig macht.

24.) Da die Stellung der Lehrlinge als besonders ausgebeutete und unterdrückte Schicht der ArbeiterInnenklasse neben den äußerst niedrigen „Entschädigungen“ vor allem durch allerlei Disziplinierungsmaßnahmen ins Bewusstsein rückt, ist es für die revolutionäre kommunistische Jugendorganisation besonders wichtig, unmittelbar hier mit der politischen Arbeit anzusetzen und kämpferische Aktivitäten voranzutreiben und zu organisieren.

25.) In Betrieben in denen es mehrere kämpferische, klassenbewusste Lehrlinge gibt, ist es von vorrangiger Bedeutung, dass Lehrlingsaktionskomitees als Zusammenschlüsse die eine eigenständige Betätigung im politischen und gewerkschaftlichen Bereich entfalten, gegründet werden. Die revolutionären KommunistInnen kämpfen dabei dafür, dass sich die Lehrlinge auf der Grundlage des Kampfes gegen das Lohnsystem, und nicht auf der des bloßen Reformkampfes organisieren. Nebensächlich ist dabei hingegen die Frage, ob die AktivistInnen dieser Komitees Mitglieder in der/dem ÖGJ/ÖGB sind oder nicht. Diese Entscheidung hängt von der konkreten Situation im Betrieb ab.

Revolutionär-Kommunistischer Jugendverband, Dezember 2010


[i] Zahlen in g) aus: Lehrlingsstatistik 2009, Wirtschaftskammern Österreichs. (Stichtag 31.12.2009)[ii] Vergl. dazu: ebenda

[iii] Hier ist konkret von  absoluten Zahlen auszugehen. Sieht man sich diese an, stellt man fest, dass die
absolute Zahl der Lehrlinge tendenziell sinkt, auch wenn sie teilweise (z.B.  wegen Rückgang der Geburtenzahlen) Prozentual zur Gesamtbevölkerung in einem  gewissen Alter steigt. [Vergl. dazu: s.o., Abschnitt: Demographische Entwicklung][iv] Der Handel ist hierzu eine Sparte, wo das besonders deutlich nachgewiesen werden kann: in Gesamtzahl und unabhängig vom Lehrjahr, sind hier (2009) z.B. von 19.034 Lehrlingen 12.865 weiblich. Wirtschafts- und Sozialstatistisches Taschenbuch 2010,  S. 202, Bundeskammer für Arbeiter und Angestellte, Wien 2010



[v] So sind in Berufen mit vier Jahren Lehrzeit, also Berufen zu deren Ausübung ein vergleichsweise sehr hohes Qualifikationsniveau notwendig ist, deutlich weniger Frauen (1.297) als Männer (11.495) beschäftigt [Zahlen für Lehrlinge im 4. LJ; Stand: 2009]. Ebenda, S. 203

Sorry, the comment form is closed at this time.