Kommunistischer Jugendverband (KJV)

Jugendliche ArbeiterInnen aller Länder, vereinigt Euch und kämpft gemeinsam!

Nochmals zu unserem „Vorschlag zum Kampfprogramm für Lehrlinge und junge ArbeiterInnen“

Posted by rkjv - Dezember 30, 2010

[Nachtrag: Mit Jänner wurde nach vielen Diskussionen die endgültige Fassung unseres ArbeiterInnenschutzprogramms veröffentlicht. Die fertige Version findet ihr hier! RKJV]

Neben einigen individuellen Kritiken und Anmerkungen zu unserem vor einigen Wochen vorgelegten Diskussionspapier, haben sich erfreulicherweise auch organisierte Kräfte gefunden, die sich unseren Vorschlag durchsahen. Ihre Kritiken sind hier als Kommentar gepostet. Da wir als RKJV großen Wert auf die offene Debatte zwischen kommunistischen Kräften legen, wollen wir nachstehend auch unsere Antwort auf die positiven Kritiken, die uns zu einigen genaueren Ausführungen in unserem Dokument veranlassten, nicht verschlossen halten, sondern ebenso veröffentlichen…

Antwort auf einige Kritiken.

Ad 1) Die Behauptung, dass die Nacht- und Schichtarbeit unabhängig vom Alter und der damit einhergehenden körperlichen Konstituierung sei, ist unrichtig. Immer wieder belegen betriebsärztliche und arbeitsmedinzinische Untersuchungen, dass diese Art der Arbeit gerade für den noch nicht voll entwickelten Organismus äußerst schädlich ist, weit über das Maß dessen hinaus, von dem bei einem voll entwickelten Organismus ausgegangen werden kann.

Selbstverständlich treten wir allgemein, wo rein arbeitstechnisch möglich (also beispielsweise NICHT in einem Elektrizitätswerk, Krankenhaus,…), für ein Verbot der Nacht- und Schichtarbeit ein, als Jugendorganisation ist es aber unsere primäre Aufgabe, die Aufgaben für den Kampf der Jugend wahrzunehmen. Zum allgemeinen Verbot der Nacht- und Schichtarbeit überall dort wo diese Forderung auch umsetzbar ist, verweisen wir auf die Auszüge aus dem ArbeiterInnenschutzprogramm der IA*RKP, veröffentlicht in der Zeitung Proletarische Revolution (Nr.43). Weiters geht ihr davon aus, dass die „ältere[n] ArbeiterInnen diese [die Nacht- und Schichtarbeit; RKJV] übernehmen [müssten]“. Dieses Argument erscheint uns jedoch sowohl in ökonomischer als auch in politischer Hinsicht falsch. Einerseits (politisch) geht ihr dabei nämlich davon aus, dass die erwachsenen ArbeiterInnen diese Arbeit übernehmen „müssen“. Wir hingegen meinen, dass ein Verbot der Nacht- und Schichtarbeit ohnehin nur durch eine selbstständige ArbeiterInnenbewegung erkämpft werden kann (und nicht geschenkt wird), d.h. wir uns dabei in einer Situation der Offensive der ArbeiterInnenklasse, oder zumindest bedeutender Teile derselben, befinden. Warum die sich in so einer Situation damit abfinden sollten vermehrt Nacht- und Schichtarbeit aufgezwungen zu bekommen, bleibt uns ein Rätsel. (Zum Punkt „Interessenskonflikt“ kommen wir weiter unten.) Nun zur ökonomischen Seite unserer Erwiderung: Das Kapital wird sicherlich nicht die, wenn durchgesetzt, für die Lehrlinge und jungen ArbeiterInnen aufgehobenen diesbezüglichen Arbeitseinsatz einfach auf den erwachsenen Teil der ArbeiterInnenklasse abwälzen. Das geht schon aus dem Umstand hervor, dass die Arbeit junger ArbeiterInnen, vor allem aber der Lehrlinge, deswegen so wichtig und interessant für das Kapital ist, weil durch die bestehenden niedrigen Löhne bzw. „Entschädigungen“ natürlich dementsprechende Profite zustande kommen. In der Arbeit erwachsener, fertig ausgebildeter ArbeiterInnen ist das wieder etwas ganz anderes – deren Arbeitskraft hat im Lohnsystem ja auch einen anderen Wert. Deshalb kann das Kapital die durch ein Verbot der Nacht- und Schichtarbeit der Lehrlinge und jungen ArbeiterInnen entfallenden Stunden, nicht so einfach auf die anderen ArbeiterInnen abwälzen, wobei wir natürlich auch nicht meinen, dass das ein Ding der Unmöglichkeit wäre.

Ad 2) Wir meinen nicht, dass es weiterhin noch irgendeine Art spezieller, von den Kapitalisten durch Auslese (wie z.B. Wettbewerbe, etc.) vergebene „Förderung“ geben sollte. Dieses materielle Anreizsystem wirkt als direktes Spaltungsmittel gegen die Lehrlinge und jungen ArbeiterInnen. Hingegen treten wir, wie im Dokument „Vorschlag…“ erwähnt, für einen Lehrlingsmindestlohn von zumindest 900€ ein.

Ad 3) Dass der Besuch einer solchen Schule kostenfrei wäre, ist überhaupt nicht von vorneherein ausgemacht. Es handelt sich dabei schlichtweg um eine politische Entscheidung der Bourgeoisie, mehr nicht! Deshalb ist es wichtig, dass eine solche Forderung klar herausstellt, dass eine polytechnische Gesamtschule kostenlos sein muss. Weiters ist der Schulbesuch selbstverständlich eine Sache des Geldes. Sieht man Geld als das was es ist, nämlich ein „allgemeines Äquivalent“ (Marx) im Warenaustausch, wäre es nicht nur falsch davon auszugehen dass es sich in der Ausbildungsfrage um keine Geldfrage handle, sondern in einer Klassengesellschaft, wie es der Kapitalismus klarerweise nun mal ist, darüber hinaus auch noch zynisch. Daraus abgeleitet, müssen wir auch klar den Standpunkt zurückweisen, dass es am „freien Willen“ [der SchülerInnen] liege, in welcher Einrichtung des kapitalistischen Bildungswesens man sich bewegt bzw. der Klassenzugehörigkeit und Notwendigkeit gemäß hineingedrängt wird! Darüber hinaus verweisen wir darauf, dass das Bildungswesen eben gerade keine klassenneutrale Angelegenheit ist, wie ihr es, scheint uns, suggeriert. Dass Sonderzahlungen und Beihilfenerhöhung ein adäquates Mittel ist um irgend ein Problem zu lösen, streiten wir ab. Im Gegenteil! Man jagt damit die ArbeiterInnenklasse durch den bürokratischen Apparat des Kapitals, wo sie sich auf Schnitzeljagden nach dem Zugeständnis der „Erhöhung“ irgendwelcher Beihilfen, oder auf Bettelei per Formular einlassen muss. Das kann ein Programm für die ArbeiterInnenklasse bzw. deren Jugend weder fordern noch in sonst einer Form beinhalten.

Ad 4) Uns ist dabei nicht ganz klar, warum der bürgerliche Staat die Ausbildungskosten übernehmen sollte und nicht (wie in unserer Forderung festgehalten) die Kapitalisten selbst. Immerhin finden wir gegenwärtig schon eine Form der Ausbildung die genau diese staatliche „Stützung“ praktiziert: die „überbetrieblichen Lehrwerkstätten“, die vom Kapital dazu genutzt werden, um die Kosten der Lehrlingsausbildung durch den Staat finanzieren zu lassen und danach, freilich in weitaus geringerem Umfang als bei direkt betrieblicher Ausbildung, die fertige Arbeitskraft zu übernehmen.

Ad 6) Hier meinen wir, dass die Forderung nach Arbeitszeitverkürzung besonders bei Lehrlingen und jungen ArbeiterInnen notwendig ist, denn sie sind in einer Lage, in der neben der Ausbildung nicht nur, wie bei ihren älteren KollegInnen, genügend Zeit für kulturelle, soziale und politische Aktivitäten gegeben sein muss, sondern besondere Aufmerksamkeit darauf gerichtet werden muss, sich beruflich zu orientieren. Auch hier geht ihr beim „Stundenausfall“ von einer passiven Haltung der gesamten Klasse aus, obwohl auch in der Vorbemerkung klar festgehalten ist, dass die aufgestellten Forderungen nur durch eine Bewegung zu erkämpfen sind. Schließlich handelt es sich auch um Forderungen, die ein Eingreifen in „spontane Bewegungen und Kämpfe“ besser möglich machen sollen (Vergl. auch hierzu: Vorbemerkung) und somit per definitionem eine passive Situation ausschließen. Nun zum Argument, dass durch solcherlei Forderungen die Einheit zwischen Älteren und Jüngeren gefährdet werden könnte. Wir stellen immer wieder klar heraus, dass der Klassenkampf eine Angelegenheit der Klasse und nicht des Alters ist. Dennoch müssen die spezifischen Interessen der unterschiedlichen Schichten unserer Klasse klar herausgearbeitet werden, denn nur wenn darüber Klarheit besteht, wird sich eine gemeinsame Basis des Kampfes, nur dann wird sich weitgehende Klasseneinheit ermöglichen. Dass unsere Haltung sogar bewusst gegen jegliche Form der Spaltung zwischen jungen und erwachsenen ArbeiterInnen Position bezieht, und die revolutionäre und kämpferische Einheit der ArbeiterInnen sogar als notwendige Voraussetzung der Erkämpfung von Teilzielen benannt wird, beweist ein Blick in unsere Publikationen: „Die Interessen der Jugend sind im Klassenkampf nichts Isoliertes. Sie stellen überaus wichtige Teilziele der gesamten Klasse dar, sind somit aber über weite Strecken auch nur im Kampf von Klasse gegen Klasse (und nicht etwa ‚Jugend gegen den Rest der Gesellschaft‘) erkämpfbar“ [Aus: Roter Morgen Nr.30, November/Dezember 2010, S.3; Sowie: Flugblatt November 2010]. Auch wenn wir also nicht meinen, dass solcherlei Forderungen die Klasseneinheit spalten würden, sondern ganz im Gegenteil, halten wir Eure diesbezügliche Anmerkung für überaus wichtig. Sie zeigt, dass das Verhältnis von Teil- zu Klassenforderungen in unserem Dokument ungenügend behandelt wurde und deshalb schnell zu Missverständnissen führen kann. Wir werden also vor Veröffentlichung der Endversion die Vorbemerkung in diesem Sinne nochmals überarbeiten.

Ad 7) Um was es hier eigentlich besonders geht, ist weniger die Verteidigung der formalen Menschenrechte (in denen übrigens auch das Recht auf Privateigentum [sprich: gleichwohl an Produktionsmitteln] festgehalten ist und somit die Frage aufgeworfen wird, was da nun, weil in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte gleichwertig behandelt, für den kapitalistischen Staat wichtiger sein mag: das „Recht auf Eigentum“ [u.a. der Kapitalisten], oder das „Recht auf freie politische Betätigung und Versammlung“, dass sich durchaus auch gegen erstgenanntes Recht richten kann), sondern mehr die Tatsache, dass mit diesem Paragraphen der bürgerlich-demokratische Staat gegen Freiheiten der bürgerlichen Demokratie vorgeht; kurz also das, was als ‚Faschisierung‘ bezeichnet wird.

Ad 8) Wir halten Leiharbeit für eine besonders scharfe Form der „modernen Sklaverei“, doch nicht für DIE moderne Form, immerhin ist jede/r Lohnarbeiter/in das, was nach Marx durchaus als „Lohnsklave“ bezeichnet werden kann.

Ad 9) Die Forderung Nr.9 wurde von uns bewusst so formuliert und ausgerichtet, dass sie sich vor allem an die unteren Schichten der ArbeiterInnenklasse wendet, denn diese gilt es primär zu organisieren, haben doch gerade diese Teile des Proletariats objektiv das größte Interesse an der sozialen Revolution. Gerade die bessergestellten Schichten der ArbeiterInnenklasse finden sich gehäuft vor allem in Schlüsselindustrien, was es für das Kapital wiederum nicht einfach macht diese Teile vermehrt zu belasten (und was, falls der betreffende Teil zur Arbeiteraristokratie gehört, ohnehin für uns derzeit weniger relevant und darüber Hinaus seiner unmittelbaren Durchführbarkeit von Seiten des Kapitals nach, auch äußerst Fragwürdig ist). D.h., dass es für die bessergestellten Schichten kaum bis gar keine Nachteile bedeuten würde, für die untersten Schichten der Klasse jedoch eine enorme Verbesserung im Kampf wäre. Gerade darum geht es ja! Dass sich die KommunistInnen in ihrer Arbeit vor allem auf die untersten Schichten zu konzentrieren haben, ist ein wichtiger Grundsatz revolutionärer Arbeit und gerade unter Verhältnissen wie derzeit in Österreich von besonderer Bedeutung. Warum das so ist, wäre freilich ein reizvolles Thema für eine andere Auseinandersetzung bzw. Diskussion. Als Anstoß sei hier nur erwähnt, dass diese Position schon von Lenin im Kampf gegen die sogenannten „O.K.-Leute“ (O.K. = Organisationskomitee; Anm. RKJV), also Axelrod, Spektator, Martow und Trotzki, in seiner Broschüre „Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus“ herausgearbeitet wurde. „Und es ist daher unsere Pflicht, wenn wir Sozialisten bleiben wollen, weiter und tiefer zu gehen, zu den wirklichen Massen: darin liegt die ganze Bedeutung des Kampfes gegen den Opportunismus und der ganze Inhalt dieses Kampfes (…)“ [Lenin, Imperialismus und die Spaltung des Sozialismus, Berlin 1948]. Wir stellen anhand Eurer Kritik fest, dass auch dieses Verhältnis, das eine Grundlagenfrage ist und damit dementsprechende Aufmerksamkeit von uns verlangt, zu wenig herausgearbeitet und gleich mit den daraus gezogenen Schlussfolgerungen begonnen wurde. In der Formulierung des Dokuments, müssen wir das berücksichtigen, was bedeutet, dass wir auch diesen Punkt wenn auch nicht direkt in der Forderung, so doch in der Vorbemerkung (also der Klärung der Rahmenbedingungen) noch stärker behandeln werden!

Ad 10) Wie es sich mit Förderungen (die ja ihrem Wesen nach nie einer gesamten Schicht einer Klasse, sondern immer nur Ausgewählten Teilen zukommen können) verhält, haben wir weiter oben schon dargelegt. Selbiges gilt für hier.

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