Kommunistischer Jugendverband (KJV)

Jugendliche ArbeiterInnen aller Länder, vereinigt Euch und kämpft gemeinsam!

Klasse gegen Klasse! Zum politischen und ökonomischen Kampf.

Posted by rkjv - November 26, 2010

(Abgedruckt in: Roter Morgen Nr.29) Die Auseinandersetzungen in den Kollektivvertragsverhandlungen und jene im Rahmen des Kampfes gegen das Belastungspaket, werden nicht einfach werden bzw. sind es nicht – vorausgesetzt wir wollen nicht schlucken was uns die Kapitalisten vorsetzen. Geführt von denen die uns schon hunderte Male verkauft haben, der Führung des Gewerkschaftsbundes, wird es uns aber nicht gelingen, Jugendforderungen aufzustellen und durchzukämpfen, wenn wir uns nicht selbst etwas überlegen uns dementsprechend vorbereiten und handeln.

Als junge ArbeiterInnen und Lehrlinge haben wir eine ganze Reihe möglicher Forderungen. Aufgrund unserer Stellung an der untersten Stufenleiter der Hierarchie im Betrieb, wissen wir um schlechte Arbeitsbedingungen, um Arbeitshetze, um die Leichtigkeit mit der uns die Unternehmer rauschmeißen und ersetzen können. Es ist also nicht so, dass wir nicht sehen würden, dass es eine Reihe von Dingen gibt, die vor allem (und teilweise ausschließlich) uns Junge betreffen. Unsere unmittelbaren Anliegen sind meist wirtschaftlicher Natur, denn es sind über weite Strecken die ökonomischen Umstände, die unsere schlechte Situation ausmachen.

Wenn diese Rahmenbedingungen nun durch die Kapitalisten und ihren Staat verschlechtert werden sollen, dann ist der Widerstand dagegen nur allzu gerechtfertigt, denn warum soll es hingenommen werden, dass das Kapital seine Profite auf unsere Kosten immer weiter ausbaut und die anfallenden Lasten der Krise des Kapitalismus auf unsere Rücken abwälzt? Forderungen nach der wirtschaftlichen Verbesserung, oder zumindest der Verteidigung unserer Lage (wie z.B. Lohnforderungen) sind somit die elementarsten, grundlegendsten Forderungen die von uns erhoben werden können und entspringen direkt dem Widerspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital, zwischen unserer Arbeit und dem vom Kapital angehäuften Mehrwert (also jenen Werten, die wir über unsere bezahlte Arbeitszeit hinaus schaffen). Solche Forderungen drehen sich unmittelbar um unsere materielle Lage, ein Streik oder Arbeitskämpfe die sich um wirtschaftliche Forderungen ranken, sind die somit die grundlegendsten Kampfformen der ArbeiterInnenklasse. Sie dienen dazu, dass die ArbeiterInnen ihre Bedingungen gegenüber den Kapitalisten innerhalb des Lohnsystems verbessern: „Die Löhne werden in jedem Fall durch Feilschen festgesetzt, und beim Feilschen hat der, welcher am längsten und wirksamsten Widerstand leistet, die größere Aussicht, mehr zu erhalten als ihm zusteht.“[1]

In so einem wirtschaftlichen Kampf müssen auch junge ArbeiterInnen und Lehrlinge ihre eigenen, ihrer spezifischen Situation als besonderer Teil der ArbeiterInnenklasse entsprechende, Forderungen stellen. Dabei ist aber wichtig, dass diese als Teilforderungen eines größeren Kampfes gesehen werden. Es ist nicht so, dass nur wir jugendlichen ArbeiterInnen für die Verbesserung unserer Lage kämpfen würden, sondern wir tun das als Teil unserer Klasse, die ihre wirtschaftlichen Forderungen an das Kapital richtet und mit diesem darum „zu feilschen“ beginnt. Würden wir unsere wirtschaftlichen Forderungen nicht als Teile der wirtschaftlichen Forderungen unserer Klasse begreifen, würden wir unsere Kampfkraft schwächen. Junge und ältere ArbeiterInnen mögen sich zwar unterschiedlichen Formen der Ausbeutung gegenübersehen, müssen aber gemäß ihrer Gemeinsamkeit, nämlich dass sie im Lohnsystem beide durch den Kapitalisten ausgebeutet werden, als Klasse auftreten um sich beim Feilschen durchzusetzen. Die ökonomischen Umstände des Lohnsystems machen es aus, dass wir als Klasse bestehen die durch ihre Arbeit Werte schafft, ebenso wie sie es ausmachen, dass mit den Kapitalisten eine Klasse existiert, die sich die von uns geschaffenen Werte in Form von Profit aneignet – also von unserer Arbeit lebt.

Nun ist es aber bei weitem nicht damit getan, dass die ArbeiterInnen als Klasse an sich existieren und wirtschaftliche Forderungen aufstellen: „Die ökonomischen Verhältnisse haben zuerst die Masse der Bevölkerung in Arbeiter verwandelt. Die Herrschaft des Kapitals hat für diese Masse eine gemeinsame Situation, gemeinsame Interessen geschaffen. So ist diese Masse bereits eine Klasse gegenüber dem Kapital, aber noch nicht für sich selbst. In dem Kampf – findet sich die Masse zusammen, konstituiert sie sich als Klasse für sich selbst. Die Interessen, welche sie verteidigt, werden Klasseninteressen. Aber der Kampf von Klasse gegen Klasse ist ein politischer Kampf.“[2] In grundlegenden wirtschaftlichen Auseinandersetzungen kämpfen wir für die Verbesserung unserer Stellung im Lohnsystem. Dieses wird abgesichert und verwaltet durch den bürgerlichen Staat, der ein Werkzeug des Kapitals, diesem untergeordnet ist. Der erste Schritt im Auftreten der ArbeiterInnenklasse als Klasse für sich, gegen das Kapital, war die Bildung der Gewerkschaften [wobei wir hier eine Behandlung der Frage ob der ÖGB eine Gewerkschaft in diesem ursprünglichen Sinne ist, nicht vornehmen wollen]. Dieser Schritt wurde von Marx als „Maßregel zur Mündigmachung der Untertanen“ beschrieben. Wir sind Mündig und können uns damit bis zu einem gewissen Grad wehren, doch wir bleiben Untertanen, denn aus dem Lohnsystem auszubrechen, gelingt uns über den wirtschaftlichen Kampf nicht. Vielmehr ist es so, dass das Lohnsystem durch den Staat, seinen Gewaltapparat, politisch organisiert ist – ein Kampf zur Beseitigung des Lohnsystems also immer ein politischer Kampf sein muss, ein Kampf der über die rein wirtschaftlichen Forderungen hinausgeht. Freilich sind gewisse Grundlagen auf denen sich der politische Kampf entwickelt im ökonomischen Kampf gegeben, denn in den wirtschaftlichen Verhältnissen liegt immerhin aller Ursprung der Klassen, doch reichen diese Grundlagen eben nicht aus, sie berühren den kapitalistischen staatlichen Gewaltapparat an sich, und damit die Verwaltung des Lohnsystems, nämlich gar nicht, sind also untauglich das Lohnsystem abzuschaffen. Der politische Kampf hingegen, richtet sich unmittelbar gegen den kapitalistischen Staat,  womit der politische Kampf der Weg wird, auf dem das Lohnsystem abgeschafft werden kann. In Arbeitskämpfen und Streiks bedeutet das, dass neben ihrer wirtschaftlichen Ausrichtung versucht werden muss ihnen eine politische Stoßrichtung zu geben, wobei es ebenso falsch wäre zu meinen dass ökonomische Kämpfe „automatisch“ in politische umschlagen, oder mechanistisch davon auszugehen, z.B. politische Streiks einfach „machen“ zu können. Vielmehr ist für die Entwicklung von wirtschaftlichen zu politischen Kämpfen ein bestimmtes Niveau des Klassenbewusstseins der ArbeiterInnenklasse eine wesentliche Voraussetzung, nicht aber dass wirtschaftliche Forderungen bloß einen „politischen Anstrich“ bekommen. Tatsächliche politische Streikkämpfe der ArbeiterInnenklasse sind nichts was entsteht weil die KommunistInnen oder andere es so wollen. Sie sind neben dem vorhandenen Klassenbewusstsein auch Ausdruck einer dementsprechenden politischen Situation der Zuspitzung der Klassenkämpfe. Doch auch solange so eine Situation nicht besteht, bleibt trotzdem noch immer die Seite des Klassenbewusstseins. Hier setzen wir als revolutionäre KommunistInnen an – indem wir uns organisieren und durch unser Auftreten (also über Aktionen, Veranstaltungen, Flugblätter, Zeitung, usw.) in den verschiedenen wirtschaftlichen und sozialen Kämpfen einerseits versuchen das Klassenbewusstsein zu heben, andererseits die fortschrittlichsten Kräfte zu sammeln und so eine revolutionäre Klassenorganisation aufzubauen: eine revolutionär-kommunistische Partei! Den speziellen Arbeits- und Ausbeutungsbedingungen der jungen ArbeiterInnen Rechnung tragend, haben wir als wichtigen Beitrag dazu den Revolutionär-Kommunistischen Jugendverband gegründet. In unseren Kämpfen reißen wir wirtschaftlichen und politischen Kampf nicht auseinander, gerade deshalb, weil wir uns darüber klar sind, dass es sich dabei nicht um ein und dasselbe handelt. „In Erwägung, dass gegen die kollektive Gewalt der besitzenden Klassen das Proletariat [=ArbeiterInnenklasse] als Klasse nur dann auftreten kann, wenn es sich als besondere politische Partei konstituiert, im Gegensatz zu allen alten Parteibildungen der besitzenden Klasse; dass diese Konstitution des Proletariats als politische Partei unerlässlich ist, um den Triumph der sozialen Revolution und ihres Endzieles – der Abschaffung der Klassen – zu sichern; dass die Vereinigung der Kräfte der Arbeiterschaft, die schon erreicht worden ist durch die ökonomischen Kämpfe, auch als Hebel dienen muss für die Masse dieser Klasse in ihrem Kampf gegen die politische Macht ihrer Ausbeuter; ruft die Konferenz den Mitgliedern der Internationale in Erinnerung, dass in dem Kampfzustand der Arbeiterklasse ihre ökonomische und politische Betätigung untrennbar verbunden sind.“[3]

Wollen sich junge ArbeiterInnen tatsächlich befreien und damit gegen die kapitalistische Ordnung aufstehen, ist es unerlässlich, dass wir uns neben unseren gerechten wirtschaftlichen Anliegen auch politisch organisieren. Der Streik ist die wichtigste unmittelbare Waffe der ArbeiterInnenklasse gegen Verschlechterungen und die täglichen Gewalttaten des Kapitals gegen unsere Klasse, doch der politische Befreiungskampf ist ein umfassend revolutionärer Kampf, der sich unmittelbar nicht nur gegen die Unternehmer, sondern gegen die gesamte Ordnung des Kapitalismus richtet. Wir sprechen von einem revolutionären politischen Massenstreik nur dann, wenn der jeweilige Streik in einer revolutionären Situation durch die ArbeiterInnen als zusätzliches Mittel zu den politischen Kämpfen eingesetzt wird (wodurch er eine Bedeutung erlangen kann, die kaum zu unterschätzen ist). Die Überwindung des Lohnsystems aber, ist nur durch den revolutionären Kampf, der die alten kapitalistischen Wirtschaftsformen und Staatswesen zerschlägt, und dem damit angestrebten Aufbau des Sozialismus möglich, weshalb in letzter Konsequenz gilt: „Die Arbeiterklasse ist revolutionär oder sie ist nichts“[4]

 

[1] Friedrich Engels, „Das Lohnsystem“. Marx/Engels Werke Bd.19, S.252

[2] Karl Marx, „Das Elend der Philosophie“, S.162

[3] Karl Marx: „Resolution über die Gewerkschaften.“ Angenommen auf dem 1. Kongress der Internationalen Arbeiter-Assoziation. In: Hermann Duncker, „Materialien zur Gewerkschaftstheorie von Marx und Engels“

[4] Karl Marx: Brief an Johann Baptist Schweizer


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