Kommunistischer Jugendverband (KJV)

Jugendliche ArbeiterInnen aller Länder, vereinigt Euch und kämpft gemeinsam!

Klassenkämpfe in Frankreich (Teil II)

Posted by rkjv - November 24, 2010

(Nachstehender Artikel ist eine Korrespondenz aus Frankreich und ist eine Mitte November vorgenommene Aktualisierung unserer bisherigen Meldungen [Link] zum Thema – Red. RKJV) 

Am 25. Oktober wurde das Gesetz endgültig vom Parlament beschlossen. In den darauf folgenden Tagen bröckelte die Streikfront ab. Nur unter den Schülern und Studenten flackerte sie nochmals heftig auf, aber das alleine konnte natürlich nicht nachhaltig sein. Davor und auch noch danach entwickelten sich entgegengesetzte Strömungen in der Bewegung. Während die klassenkämpferische Strömung vorwärts drängte und versuchte, die Blockaden auszudehnen und zu intensivieren (z.B. auf ganze Industrie- und Gewerbegebiete), eng verzahnte branchenübergreifende Aktionen zustandezubringen (z.B. in Marseille die direkte Verzahnung von Raffinerie-, Transport- und Hafenarbeitern), die Streikposten und das Drumherum in Richtung „assemblées générales décisionnelles“, das sind Beschlüsse fassende Streik- bzw. Vollversammlungen (d.h. Keimformen einer Räteorganisation) zu entwickeln etc.,…

arbeitete die andere Strömung tatkräftig daran, die Kämpfe wieder in eine bloße zahnlose Protestbewegung zurückzudrehen. Während die klassenkämpferische Strömung noch vorwärts marschierte, hatte die Bewegung insgesamt bereits zu bröckeln begonnen. Letztlich behielt doch die rechte Strömung in der Bewegung die Oberhand. Die noch folgenden von den Gewerkschaftsführungen angesetzten zwei nationalen Aktionstage waren bereits sinnlose „Beerdigungsaktionen“, vor allem der am 6.November. Wozu man mit nur mehr 1,2 Millionen Demonstrationsteilnehmern, d.i. nur mehr ein Drittel von noch kürzlich, und bei bereits zusammengebrochener Streikfront seine Niederlage zelebriert, fragten und fragen sich viele. Die Antwort ist: Um zu feiern, dass man die „Bewegung“ wieder voll unter Kontrolle hat, um seiner Forderung, die Regierung möge einen endlich ernst nehmen, weiterhin „von der Strasse her Nachdruck zu verleihen“ und um die Menschen auf eine parlamentarische Antwort an Sarkozy hinzulenken. „Alles, nur nicht Sarkozy“ – diese weit verbreitete Losung heißt ja letztlich nur: Wählt 2012 alle Sozialdemokratie oder die PCF oder die Grünen oder die „post-trotzkistische“ NPA. Verantwortlich für die Niederlage war (und ist in gewisser Weise immer noch, denn die Debatte geht weiter) der offen reformistische und sozialdemokratische Flügel der Bewegung. Schaden richteten aber ebenfalls die Trotzkisten und Anarchisten an. Dem anarcho-syndikalistischen Flügel war es wie immer am Wichtigsten, „dass sich etwas rührt“ („que ça bouge!“), egal was. Die Trotzkisten und „Post-Trotzkisten“, speziell die NPA (d.i. die offen sozialdemokratisch gewordene frühere trotzkistische „IV.Internationale“), wurden, je kritischer die Lage der Bewegung wurde, immer munterer und riefen, je mehr die Streikfront bröckelte, umso lauter nach einem „neuen 1968“ und dem „Generalstreik“. Überhaupt deutlich wahrnehmbar, dass das Geschrei für „Generalstreik“ und die wirkliche Entwicklung der Streikbewegung sich umgekehrt proportional verhielten und die Losung des „Generalstreiks“ nicht nur keinerlei Beitrag zur Stärkung der Bewegung leistete, sondern nur Ohnmacht reflektierte, der Passivität Vorschub leistete und nicht zufällig umso lauter wurde, je mehr der Bewegung die Luft ausging. Appell an die Gewerkschaftsbonzen und wildes Herumgefuchtel, statt konkrete Arbeit an der wirklichen Festigung und Entwicklung der Streik- und Blockadefront. Und genauso geht es jetzt weiter.

Die stärkste und vorgeblich „linke“ Gewerkschaft CGT schwätzt von „Fortsetzung der Bewegung“ und möchte einen neuen Aktionstag in der Woche ab dem 22.November veranstalten, und mit ihr schnattert die zwar spät aufgewachte, aber dafür jetzt hyperaktive trotzkistische NPA. Statt Geschwätz und Phrasendreschen, ohne Rücksicht auf die tatsächliche Lage, geht es jetzt aber darum, die Lehren dieser größten Massenbewegung seit 2006 zu ziehen, möglichst viel der ideologischen, politischen und organisatorischen Fortschritte, die erzielt wurden, in die nächsten Kämpfe mitzunehmen und dem weit verbreiteten, aber ziemlich diffusen Hass gegen die unverhüllt finanzkapitalistische, chauvinistische, rassistische, kolonialistische und halbfaschistische Sarkozy-Regierung zu mehr politischer Klarheit zu verhelfen und ihn soweit möglich in ein revolutionäres Potential umzuwandeln. Erwähnungswert noch, dass am 26.November große Solidaritäts- und zugleich Kampftage um die eigenen Forderungen in drei französischen Kolonien, Guadeloupe, Martinique und Guyana, stattfanden, zwar zu spät im Sinne von praktischer Unterstützung der Bewegung in France métropolitaine, aber sehr kraftvolle Lebenszeichen der Weiterführung des antikolonialen Kampfes.

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