Kommunistischer Jugendverband (KJV)

Jugendliche ArbeiterInnen aller Länder, vereinigt Euch und kämpft gemeinsam!

KV-Verhandlungen im Handel: Arbeitskämpfe entfachen! Lehrlinge, organisiert euch und kämpft!

Posted by rkjv - November 10, 2010

Nachstehender Text wurde in den vergangenen Tagen in gekürzter Version als Flugblatt verbreitet.

Derzeit kracht es in den Kollektivvertragsverhandlungen im Handel. Die Chefs wollen den Forderungen der Gewerkschaft keinen Millimeter nachgeben, die Verhandler auf Gewerkschaftsseite seien zu „stur“ und ihre Forderungen „realistisch nicht darstellbar“, heißt es. Doch was sind das für Forderungen, die den Kapitalisten so sehr aufstoßen? Der Mindestlohn von 1.300 Euro (brutto) beispielsweise. Das wollen die Chefs nicht, denn sie profitieren natürlich von den im Handel besonders niedrigen Löhnen. Doch wie sieht es da auf unserer Seite der Barrikade, also auf Seite der Arbeiter/innen aus? Können wir uns tatsächlich voll hinter die Gewerkschaftsforderung von 1.300 Euro stellen? Kaum, denn erstens möchte die Gewerkschaftsführung das als Bruttolohn durchdrücken, d.h. einige hundert Euro fallen ohnehin wieder weg. Zweitens reichen aber 1.300 selbst netto nicht, denn die durchschnittlichen Kosten für Miete, Essen, Freizeit,… die in Österreich 2010 für eine (ausgelernte, bzw. als fertige Arbeitskraft beschäftigte) werktätige, erwachsene Person in einem Arbeiter/innenhaushalt zusammenkommen, belaufen sich auf ca. 1.500 Euro! Das heißt, die Gewerkschaftsführung will unsere Arbeitskraft zwar teurer, doch weit unter dem Niveau dass wir anstreben müssen verkaufen. Dagegen müssen wir uns wehren, nicht nur gegen die Chefs.

Wir müssen uns dagegen wehren, dass wir durch die Führung der Gewerkschaften immer an der Nase herumgeführt und verkauft werden; dagegen, dass es sich die Herren und Damen in den hohen Gewerkschaftsetagen auf unsere Kosten sozialpartnerschaftlich gemütlich einrichten. Gleichzeitig greift die Gewerkschaftsführung (bzw. ihre Jugendorganisation) die Unzufriedenheit darüber, dass die Lehrlings“entschädigungen“ im Handel äußerst niedrig sind, auf. Sie will nun in den Verhandlungsrunden auch über die Höhe der Lehrlings“entschädigung“ verhandeln. Nicht etwa, dass sie sagen würden, dass sowas wie diese „Entschädigung“ überhaupt abgeschafft und durch einen tatsächlichen Lehrlingslohn ersetzt gehört. Sondern sie treiben bei den Lehrlingen das gleiche Spiel wie bei den älteren Kolleg/innen: nicht zum Kampf organisieren, eine leichte Anhebung der Löhne (doch ja nicht zu viel, damit wir weiterhin für die Kapitalisten billigarbeiten dürfen!), Konfrontation mit den Kapitalisten aber scheuen – immer brav sozialpartnerschaftlich bleiben! Für uns als junge Arbeiter/innen und Lehrlinge bedeutet die Sozialpartnerschaft (so wie für unsere Klasse überhaupt) aber nur Nachteile, denn in ihr wird mit dem Kapital (den Chefs) zusammengearbeitet. Das kann sich nur gegen uns richten, denn als Arbeiter/innen haben wir mit dem Kapital nicht gemeinsame, sondern entgegengesetzte Interessen. Jede wirtschaftliche Verbesserung für uns, ist auf Kosten ihres Profits – der Widerspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital lässt sich nicht aus- oder wegverhandeln, sondern kann nur im Kampf von Arbeiter/innenklasse gegen Kapitalistenklasse gelöst werden. Da helfen auch die 1.300 Euro Mindestlohn im Handel nichts, selbst wenn sie natürlich eine Verbesserung zur jetzigen Situation darstellen würden. Eine weitere Forderung ist die nach Beteiligung der Lehrlinge an den Prämien, die für einen erfolgreichen Praxistest (zu denen ein Lehrling zur Mitte der Lehrzeit geschickt werden kann) an die Betriebe ausbezahlt werden. Nicht mal ein Drittel aller Betriebe beteiligt derzeit die Lehrlinge an diesen Prämien, sondern der Kapitalist lässt sie den Praxistest machen und streift dann die Prämie selbst ein. Freilich wäre es gut, wenn in den Kollektivverträgen nicht nur die verpflichtende Beteiligung der Lehrlinge an diesen Prämien, sondern deren Auszahlung an die Lehrlinge überhaupt verankert werden würde. Ein wirklich großer Wurf wäre das aber auch  nicht, denn die Lehrlingsentschädigung würde im Wesentlichen unangetastet bleiben, womit das ganze Werkel dann darauf hinauslaufen würde, dass die Lehrlinge zwar „mitnaschen“ dürfen, aber weiterhin genau das bleiben was sie sind – Billigarbeitskräfte für den Chef. Die etwas mehr als 2% Entschädigungserhöhung die gerade erst im neuen Metaller-KV für die Lehrlinge ausverhandelt wurden, können für unseren Kampf aber ebenfalls kein Richtwert sein. Denn obwohl sie die Inflationsteuerung gerade mal abdecken, wird diese Minimalerhöhung durch das Belastungspaket (bzw. „Sparpaket“) und die damit verbundene Teuerung der Lebenserhaltung, rasch aufgefressen werden!

Neben den Lohnfragen stellen sich aber auch noch ganz andere Probleme: beispielsweise dass sich viele Lehrlinge wegen des Drucks der auf sie ausgeübt wird  nicht trauen in Krankenstand zu gehen; die ständig steigende Arbeitshetze die uns zu schaffen macht; oder dass gut ein Viertel der Handelslehrlinge Angst um ihren Ausbildungsplatz hat und Vor- sowie Nachbereitungsarbeiten kollektivvertraglich schlicht nicht geregelt sind. Für die 450.000 im Handel Beschäftigten geht es also um viel, vor allem für die Lehrlinge und jungen Arbeiter/innen. Klar ist dabei, dass wir uns auf „unsere“ Stellvertreter nicht verlassen dürfen, auch wenn der eigene Betriebsrat vielleicht ganz gut ist – ohne eine eigenständige, kämpferische Ausrichtung in den KV-Verhandlungen und anderen Arbeitskämpfen werden wir niemals entscheidende Verbesserungen erreichen können. Wir dürfen nicht darauf warten, dass jemand für uns die richtigen Dinge fordert, sondern wir müssen selbst unsere Forderungen erheben und dafür kämpfen! Dazu braucht es Zusammenarbeit und organisiertes Handeln, weshalb es wichtig ist dass sich die Arbeiter/innen eigenständig zusammenschließen und in ihren Betrieben und Wohngebieten Arbeiterkomitees bilden. Lehrlingsinitiativen sind in solchen Komitees von besonderer Bedeutung, denn die Lehrlinge sind zusammen mit werktätigen Frauen und Migrant/innen ein besonders ausgebeuteter und unterdrückter Teil der Arbeiter/innenklasse. Solche Komitees können die Grundlage für einen entfalteten Kampf um unsere Interessen, für entscheidende Verbesserungen und gegen das System der Lohnarbeit, gegen das Kapital bilden – vorausgesetzt, dass wir die wirtschaftlichen und sozialen Auseinandersetzungen auf einer klassenkämpferischen Basis beginnen. Die KV-Verhandlungen sind dabei ein guter Ansatzpunkt, gemeinsam die ersten Schritte in diese Richtung zu unternehmen.

 

  • Lehrlinge und junge Arbeiter/innen, kämpft mit uns im RKJV!

  • Für einen Mindest-Lehrlingslohn von 900€!

  • Nieder mit Sozialpartnerschaft und Kapitalismus!

  • Für den Aufbau von Arbeiterkomitees in Betrieb und Wohngebiet!

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