Kommunistischer Jugendverband (KJV)

Jugendliche ArbeiterInnen aller Länder, vereinigt Euch und kämpft gemeinsam!

Auch die Unis trifft das Belastungspaket 2010. Was tun wenn´s brennt?

Posted by rkjv - Oktober 19, 2010

Mittlerweile sind mehr als 12 Monate vergangen seit dem das Audimax von StudentInnen besetzt wurde. Was als Besetzung des Audimax begann verbreitete sich innerhalb kürzester Zeit wie ein Lauffeuer quer durch Europa und weite Teile der Welt. Binnen weniger Tage/ Wochen waren ca. 130 UNIs quer über den Globus besetzt. Nun ja, was aber konnten wir aus dieser “Bewegung“ lernen und wie sollten wir in zukünftigen Aktionen bzw. Bewegungen vorgehen nach den Lehren die wir gezogen haben sollten bzw. gezogen haben?

 

Zunächst einmal ist zu vermerken, dass in der Vergangenheit viel zu oft der Fehler gemacht wurde den Focus der Kritik am Bolognaprozess als “Kommerzialisierung des Bildungssystems“ und die als Ursache betrachtete “neoliberale Politik der Verantwortlichen“ zu etablieren. Außerdem war oftmals auch von “Uni-Streiks“ oder “Bildungsstreiks“ die Rede und es wurde mehrmals der Versuch unternommen die Bewegung zu den besagten “Streiks“ umzufunktionieren. Dass dies fehlgeschlagen ist und nicht funktioniert hat, hat mehrere Gründe. Wir revolutionäre KommunistInnen sahen und sehen noch immer dies als eine falsche Einschätzung und Herangehensweise an bestehende Widersprüche[1] in der Gesellschaft und wollen folgende Vorschläge zu Besagtem vermerken:

  •  Erstens sind im Kapitalismus sowieso schon alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens(Arbeit, Familie, Medien, Kultur, Politik usw. usw.) durch das Kapital dominiert, koordiniert und gestaltet und zur Ware verkommen. So auch die Bildung und im speziellen jeder Teil des akademischen bzw. des universitären Raums.
  • Zweitens wäre hier die Analyse und die Kritik an den Lehrinhalten eine viel wichtigere und richtigere Vorgehensweise. Denn die Indoktrination bürgerlichen “Wissens“ und die Manipu-lation des Bewusstseins der Massen, wird in der kapitalistischen Gesellschaft vor allem durch die Institutionen des Bildungssektors und im speziellen der Universitäten durchzogen!
  • Drittens wäre in der Gesellschaft in der wir leben, namentlich die kapitalistische, die Formulierung “neoliberale Politik der Verantwortlichen“ nichts anderes als eine Verharmlosung ja sogar eine Freisprechung der KapitalistInnenklasse und deren bürgerliche Politik, welche unseren Alltag prägt. Solche Begriffe verharmlosen nicht nur sondern verwischen die Klassenwidersprüche in der Gesellschaft. Sie schaffen die Illusion, dass es zwei Gesellschaften gäbe… die eine „böse“ (die neoliberale) Gesellschaft und die andere „gute“ (und das wäre dann die kapitalistische) Gesellschaft. Um dieser Verzerrung der Tatsachen vorzubeugen sollten wir die Akteure auch beim Namen nennen und in dem Fall liegt es auf der Hand, dass es sich hierbei um die KapitalistInnenklasse handelt!
  • Viertens ist eine Abgrenzung von den Institutionen des staatlichen Apparats(Rektorat; ÖH und bürgerliche Parteien usw. usw.) ein Muss um überhaupt vorwärts kommen zu können! Dies sollte aus mehreren Gründen geschehen. Zum Einen, weil man so der Manipulation der bürgerlichen Kräfte zumindest teilweise vorbeugen könnte und zum Anderen, wäre ein Erreichen unserer Ziele am Tisch mit jenen die dies überhaupt verursacht haben nichts weiter als versöhnlerische Hinhaltetaktik wie uns schon die letzte Besetzung/Bewegung zeigte.

 

Was nun? Was tun?

Zunächst einmal ist folgendes vor Augen zu halten. Die StudentInnenschaft ist keine homogene Menge oder gar “Klasse“. Die Bedingungen eines die Mehrheit oder zumindest bedeutende Teile der StudentInnenschaft um-fassenden zu einem “Uni-Streik“ bzw. “Bildungsstreik“ sind derzeit, v.a. politisch, nicht gegeben. Zumindest so-lange kein “halbwegs großer Klassenkampf“ in den Betrieben und auf den Straßen Österreichs tobt. Unser Vorschlag hierzu wäre stattdessen eine fortschrittliche kämferische Front im Rahmen der “Bewegung“ aufzubauen. In dieser Front sollte es Raum zur Erörterung der gesellschaftlichen Widersprüche geben, um so Licht ins Dunkle zu bringen und Klarheit über die eigene Klassenlage und die gesellschaftlichen Widersprüche in der Gesamtgesellschaft zu schaffen.

 

Wie erreichen wir jedoch so eine kämpferische demokratische Front und vor allem wer sollte in so einem Fall ein Aktionsbündnispartner sein? Unser Vor-schlag hierzu ist der Schulterschluss mit der ArbeiterInnenklasse, den Werktätigen und den breiten Volksmassen! Nun ja, warum aber so ein Schulterschluss? Ganz einfach, da uns in nicht zu ferner Zukunft, von den Herrschenden, ein “Belastungspaket“ vorgesetzt wird der auch die StudentInnenschaft in vielen Punkten (Kürzungen in Unibudget, Kürzungen bei Stipendien,…) betrifft und somit unser kleinster gemeinsamer Nenner in diesem Kampf sein wird. „Die revolutionären KommunistInnen müssen jenen Tendenzen entgegen-wirken, die sich zwar formal die ‚Verbindung mit der ArbeiterInnenklasse‘ auf die Fahne schreiben, real aber in ganz subjektivistischen Beweggründen ihre Ursache finden und einfach einen Kampf dem anderen ‚über-stülpen‘ wollen. Es geht dabei nicht nur um den großen Schaden der so den Bewegungen zugefügt werden kann, sondern auch darum, dass die Kämpfe und Bewegungen innerhalb des Proletariats kein Experimentierfeld für die subjektivistischen Ambitionen einiger reaktionärer Intelektueller darstellen dürfen. Die Vorstellung, dass man die Kämpfe der Studierenden mit jenen denen der ArbeiterInnen verbindet um schneller ans eigene Ziel zu kommen, ist grundfalsch; es muss darum gehen, die gemeinsamen Interessen der Masse der Studierenden und jener der ArbeiterInnenklasse herauszuarbeiten und auf dieser Basis den Kampf aufzunehmen (…)“ [RKJV: Thesen zu den Uniprotesten und über die Perspektiven der Bewegung,  These 28, Seite 9]

 

Bloße Solidaritätsbekundungen der ÖGB-Führung an die Bewegung und die BesetzerInnen können uns gestohlen bleiben und auch mit Solibekundungen der StudentInnenschaft (welche zumeist bei schriftlichen bzw. mündlichen Lippenbekenntnissen blieben) können die ArbeiterInnen nix anfangen. Unsere Forderungen können wir nur durch einen praktischen Schulterschluss mit der ArbeiterInnenschaft erreichen. Aktuelle Beispiele hierzu aus den letzten Jahren wären Frankreich und Griechenland. Wenn wir richtige Taktiken anwenden und uns zusammenschließen, würde uns das ermöglichen eine halbwegs funktionierende, (heterogene) Aktionseinheit einzugehen, um geschlossen Druck aufbauen zu können und unsere wichtigsten Forderungen durchzusetzen.

 

Keine Kürzungen bei den Stipendien!

Keine Wiedereinführung der Studiengebühren!

Kampf dem Belastungspaket!

Für eine kämpferische demokratische Front!

Kampf diesem Bildungssystem, heißt Kampf dem Kapitalismus!

 

 

[1] Wobei wir unsere diesbezügliche Einschätzung vor allem aus der Analyse dreier Grundwidersprüche im imperialistischen Kapitalismus ableiten: 1) Der Widerspruch zwischen Lohnarbeit und Kapital, der sich politisch als jener zwischen Proletariat und Bourgeoisie äußert. 2) Der Widerspruch zwischen Imperialismus und unterdrückten Völkern. 3) Die zwischenimperialistischen Widersprüche.


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