Kommunistischer Jugendverband (KJV)

Jugendliche ArbeiterInnen aller Länder, vereinigt Euch und kämpft gemeinsam!

Die Befreiung der Frau ist keine moralische Frage. Sie ist eine höchst politische!

Posted by rkjv - Juli 3, 2010

„Wir erkennen gar keine Frauenfrage an – wir erkennen keine besondere Arbeiterinnenfrage an! Wir erwarten unsere volle Emanzipation weder von der Zulassung der Frau zu dem, was man freie Gewerbe nennt, und einem dem männlichen gleichen Unterricht – obgleich die Forderung dieser beiden Rechte nur natürlich und gerecht ist – noch von der Gewährung politischer Rechte. Die Länder, in denen das angeblich allgemeine, freie und direkte Wahlrecht existiert, zeigen uns, wie gering der wirkliche Wert desselben ist. Das Stimmrecht ohne ökonomische Freiheit ist nicht mehr und nicht weniger als ein Wechsel, der keinen Kurs hat. Wenn die soziale Emanzipation von den politischen Rechten abhinge, würde in den Ländern mit allgemeinem Stimmrecht keine soziale Frage existieren. Die Emanzipation der Frau wie die des ganzen Menschengeschlechts wird ausschließlich das Werk der Emanzipation der Arbeit vom Kapital sein. Nur in der sozialistischen Gesellschaft werden die Frauen wie die Arbeit in den Vollbesitz ihrer Rechte gelangen.“

Clara Zetkin

 Wir Frauen sind mehr als die Hälfte der Menschheit. Wieso lassen wir immer noch Männer entscheiden was für uns angeblich gut ist? Es liegt nicht an unserer Schwäche oder an persönlichem Versagen sondern daran, dass uns immer noch zu wenig bewusst ist, in was für einer Gesellschaft wir hier leben und noch nicht gemeinsam dagegen kämpfen. Seit mehr als 2000 Jahren existiert in Mitteleuropa das Patriarchat (Vorherrschaft des Mannes). In dieser Zeit gab es verschiedene Gesellschaftssysteme, in denen immer die werktätigen Frauen doppelt und mehrfach unterdrückt und ausgebeutet wurden. – Nicht anders ist es im Kapitalismus.

Revolutionäre Frauen kämpfen jedoch niemals losgelöst von ihrer Klassenlage gegen Ausbeutung und Unterdrückung. Frauenkampf ist Teil des Kampfes gegen kapitalistische Verhältnisse.

Uns wird eingeredet, dass es an uns liegt, wenn wir nicht damit zurecht kommen Kinder, Haushalt, Ehemann und Beruf unter einen Hut zu bringen. Dagegen müssen wir sagen: Nein, es sind Patriarchat und Kapitalismus, die uns diese Lebenslage bescheren. Die weitgehende formale, rechtliche Gleichstellung, für Frauen in Europa bedeutet keine Gleichheit der Ausgangslage für Frauen und Männer, keinen gleichen Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen. Tatsächliche soziale Ungleichheit wird verdeckt und somit zu einem individuellen Problem gemacht. Dagegen halten wir unseren gemeinsamen Kampf als werktätige Frauen.

Wenn man von der Befreiung der Frau spricht, wird einen schnell klar, dass es hier unterschiedliche Auffassungen gibt. Zum einen wird von bürgerlicher Frauenseite kritisiert, dass sich zu wenige Frauen in Führungspositionen befinden. Doch sein wir uns ehrlich was würde sich an der generellen Stellung der  Frauen daran ändern. Dies erweckt  wieder einmal den Schein, dass jeder und in diesem konkreten Fall jede die Chance hat sich aus der jeweiligen Lage in der man steckt zu entziehen. Durch Reformen und formelle Rechten wird sich nichts ändern an der doppelten Ausbeutung der Frauen bzw. der Arbeiterinnen und schon gar nichts am Patriarchat den die Frauen unterliegen. Quotenregelungen bedeutet eine Verbesserung für eine ganz gezielte gesellschaftliche Klasse, nämlich der bürgerlichen. Für die proletarischen Frauen wird sich wenig ändern da sich diese von den bürgerlichen „Frauenkämpfen“ nichts mehr zu erwarten hatten. Jede zweite Frau ist Teilzeitarbeiterin, da die Frauen nach der Karenz wenig bis gar keine Chancen mehr haben auf dem Arbeitsmarkt. Kinderbetreuungen sind massiv teuer und haben auch nicht immer geöffnet.

Zum zweiten gibt es Frauen die einen reinen Geschlechterkampf führen. Wir veranstalteten in Wien und in Linz eine reine Frauenkundgebung. Dies hat nicht den Sinn Männerfeindlichkeit zu schüren, ganz im, Gegenteil. Die Frauen müssen den Kampf zur Geleichberechtigung und Befreiung selbst aufnehmen bzw. ihre Kampfkraft stärken, und sie dürfen nicht länger andere für sich reden lassen.  Die Frauen sollen wieder erfahren welche Kraft sie in der gemeinsamen Tat besitzen und gleichzeitig soll aufgezeigt werden dass sie kein Einzelwesen und somit keine Einzelkämpferin ist. Kämpferische Frauen verfallen nicht in Geschlechterkampf sondern erkennen im Laufe ihrer Erfahrungen an Repression dass sie gegen das gesamte herrschende System ankämpfen müssen, welches die Repression immer wieder neu aufleben lässt.

Wird diese Frage nach der Befreiung der Frauen nicht an ihren Wurzeln gepackt, zupft man doch immer nur am Gewächs des Kapitalismus herum.

Bürgerliche Frauenbewegung

 Nach der bürgerlichen Revolution, die den Feudalismus zum Sturz brachte, begannen 1848 die Frauen der bürgerlichen Schichten ausgehend von den USA (der damals am höchsten entwickelten Demokratie)die Gleichberechtigung zu fordern. Sie verlangten alle staatsbürgerlichen Rechte und Gleichheit vor dem Gesetz; sie forderten das Wahlrecht und die Beteiligung in den gesetzgebenden Körperschaften, in denen sie ihre Belange auch selbst vertreten wollten. Als „gleichberechtigte“ Bürgerinnen wollten sie nicht länger darauf verzichten, Ehevertrag, Scheidung und Verfügungsrecht über ihre Kinder eigenverantwortlich zu bestimmen. Die Aufhebung der Verfügungsgewalt des Mannes über das persönliche Eigentum der Frau sollte ihr die Möglichkeit geben, unabhängig von seiner Vormundschaft privatrechtliche Verträge zu schließen.

Die Frauen des Bürgertums verlangten den Zugang zu allen Berufen und das damit einhergehende Recht auf Bildung. Das Recht auf Bildung wurde ihnen sehr spät erst zugestanden,  nur beschränkte sich die Erwerbsmöglichkeit auf Berufe die mit den familiären Funktionen der Frau in Verbindung standen, dies waren fast ausschließlich Sozial- bzw. heute noch Gesundheitswesen, Unterricht, Einzelhandel, Dienstleistungen, wie Frisörin und Reinigungskraft. Die berufliche Praxis galt für die Frauen also als notwenige Ergänzung der Ausbildung für die traditionellen Aufgaben der Hausfrau und Mutter, dies aber diente wiederum dem Mann für seine gesellschaftliche Repräsentation. Nur wenn die Erhaltung der Familie gesichert war, war es der Frau erlaubt, sich einer beruflichen Tätigkeit zu widmen bzw. der Mann hatte der Erwerbstätigkeit der  Frau zuzustimmen.

Daraus ergibt sich, dass die bürgerlichen Frauen als Teil der bürgerlichen Klasse die Grenzen ihrer Emanzipation nicht im gegebenen Gesellschaftssystem begründet sah, sondern in der Tatsache, dass ihr durch männliche Willkür Privilegien vorenthalten wurden; sie führte keinen Klassen-, sondern einen Geschlechterkampf. Dies ist der qualitative Unterschied zwischen bürgerlicher und proletarischer Frauenbewegung und Frauenbefreiung.

Denn während für die besitzenden Bürgerinnen das Recht über ihr Eigentum selbst zu verfügen, die Freiheit und Gleichheit bedeutete, hieß das für die nichtbesitzenden Arbeiterinnen, dass sie mit dem Recht auf Arbeit überhaupt erst bürgerliche Rechte wahrnehmen konnten. Für die Proletarierin war dies der Ausweg aus dem“ goldenen Käfig des Haushalts“. Die Ehe mit der die Familie als lebenslängliche Versorgungsinstitution untermauert wird zeichnet die Besonderheit der doppelten Unterdrückung und Ausbeutung der proletarischen Frauen aus.  Was das bürgerliche System unter „Frau“ versteht und sich in der Praxis der bürgerlichen Gesellschaft Tag für Tag wiederspiegelt: Frau ist Eigentum. Frau ist Hausfrau. Frau ist billige Arbeitskraft. Frau ist Sexobjekt. Frau ist weiter nichts.

Der Charakter der bürgerlichen Frauenbewegung ist der der bürgerlichen Klasse an sich. Dieser beschränkt sich einerseits auf Schönheitskorrekturen innerhalb des bürgerlichen Systems und führte somit reinen Reformkampf.

Gemeinsame Kämpfe um Gleichberechtigung zersplitterten unter diesen Bedingungen.  Die Klassengegensätze spitzten sich zu. Die Reaktion der herrschenden Klasse war die, dass sie den Emanzipationskampf der Arbeiterinnen als traumhafte Vorstellungen herabwürdigte,  die Befreiung der Frau sei eine Utopie. Die Frauen sollten sich mit der doppelten Last abfinden – als ihr Schicksal hinnehmen. Um den Frauen die Idee so schnell wie möglich wieder aus dem Kopf zu schlagen wollte man die Frauen wieder in den goldenen Käfig locken und versuchte die Frauen wieder ins vorherrschende Rollenbild zurückzudrängen mit Alternativlösungen wie:  „Der einzelnen Persönlichkeit muss die Freiheit gegeben werden, nach dem Maß ihrer Kräfte und nach innerster Überzeugung, Beruf mit Ehe und Mutterschaft zu vereinigen, und es wird immer Frauen geben, die körperlich so kräftig und seelisch so reich sind, dass sie das Recht haben, eine doppelte Last auf sich zu nehmen.“

Es wurden Klassengegensätze versucht zu verschleiern indem man den Frauen weiß

Text des Plakats: "JedeR muss die Wahl treffen - Frauen und Männer müssen die Bourgeoisie gemeinsam bezwingen!" (Sowjetunion 1925)

machen wollte, dass es zwischen all den erwerbstätigen Frauen keinerlei Unterschiede gäbe. Dass jede Frau der doppelten Last zum Opfer fiel ohne aber einen Unterschied zwischen bürgerliche Frau und Proletarierin zu ziehen. Denn ihr, der bürgerliche Frau, ist die Möglichkeit, aufgrund ihres weit höheren Erwerbs, gegeben sich jeglicher Hauswirtschaft zu entziehen und eben auch sämtliche Erziehungsarbeit auf eingekaufte Arbeiterinnen abwälzen konnte. Demzufolge wurde der Arbeiterin das Recht auf Arbeit aufgezwungen. Der doppelten Ausbeutung unterliegen die, denen die unbezahlte Reproduktion der Familie aufgehalst wurde: die Proletarierinnen. Wir gehen davon aus, dass weder das Kleinbürgertum insgesamt noch dessen weiblicher Teil irgendeine realistische, gesellschaftliche Perspektive hat die über den Kapitalismus hinausweist.

Die Interessen der bürgerlichen Frauen und die der proletarischen Frauen sind einander entgegengesetzt genau sowie sich die Klasse des Bürgertums und die Klasse der ArbeiterInnen  in einem permanenten Wiederspruch bzw. Klassenkampfs befinden.

Proletarische Frauenbewegung

Setzt direkt an den Wurzeln der Frauenunterdrückung in unserer bestehenden Gesellschaft an. Kapitalistische Ausbeutungsverhältnisse und die wirtschaftliche Macht der Kapitalisten sind die Grundlagen für doppelte und mehrfache Unterdrückung des weiblichen Teils der ArbeiterInnenklasse.

Mit dem dass die Frauen für den Produktionsprozess herangezogen wurden, verfolgte die Bourgeoisie nicht das Interesse die Frauen aus der materiellen Abhängigkeit vom Mann zu befreien. Der Frühkapitalismus zeichnete sich durch eine hohe Produktivitätssteigerung aus, das heißt, dass die Frauen als billigere Arbeitskräfte eingesetzt werden mussten damit die aufkommende Industrialisierung vorangetrieben werden konnte. Mit der einhergehenden Entwicklung neuer Maschinen wurden jedoch wieder ArbeiterInnen gekündigt. Sie sahen erst ihre Existenz durch die Maschinen und dann von den Frauen bedroht. Es kam zur Maschinenstürmerei durch aufständische ArbeiterInnen, die Männer wurden im Produktionsprozess vermehrt durch Frauen ersetzt, Frauen entwerten  also die Arbeitskraft des Arbeiters (wie es Karl Marx bezeichnet), weshalb sich sogenannter Antifeminismus breit machte. Die Konsequenz daraus war diese, dass es der Bourgeoisie gelang die ArbeiterInnenklasse auseinanderzutreiben und gegeneinander aufzuhetzen. So verhält es sich übrigens heute noch mehr mit den MigrantInnen.

Die Frauen wechselten praktisch nur ihren Herrn und das gezwungenermaßen. Was nicht bedeutet, dass dies den Frauen dazu verhalf sich dem Patriarchat entziehen zu können – ganz im Gegenteil, wie man sehn kann: Die Reste feudalistischer Unterdrückungsmechanismen die der einen Hälfte der Menschheit zugemutet wurden, werden auch heute tagtäglich im Kapitalismus aufs Neue belebt und existieren in anderer Form weiter.

Durch die Eingliederung der Frauen in den Produktionsprozess unterliegen nun die Arbeiterinnen hauptsächlich demselben Herrn wie die Arbeiter. Sie haben einen gemeinsamen Feind, wobei sich die Arbeiterinnen in einer besonderen Lage der Ausbeutung befinden.

Die Frauen der revolutionären Frauenbewegung waren sich  ihrer Lage bewusst. Dass sie einen Teil des gesamten ausgebeuteten Proletariats sind und sich das Proletariat nur selbst befreien kann. Dass die Arbeiterinnen einer besonderen Ausbeutung unterliegen und diese Tatsache die Notwendigkeit voraussetzt, dass sie sich von den Ketten des Patriarchats nur selbst befreien kann. Die Befreiung der ArbeiterInnenklasse erfordert die sozialistische Revolution.

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