Kommunistischer Jugendverband (KJV)

Jugendliche ArbeiterInnen aller Länder, vereinigt Euch und kämpft gemeinsam!

Aus Niederlagen lernen. Zur Intervention in die Arbeitskämpfe bei Shell

Posted by rkjv - Juni 9, 2010

Kapitalistische Krisen bringen nicht nur Unternehmenskonkurse, sondern gleichzeitig Rationalisierungen. Beides bedeutet Angriffe auf unsere Lebensbedingungen. Royal Dutch Shell ist seit 2007 nicht nur das größte Energieunternehmen, sondern – nach Umsatz gerechnet – das weltgrößte Unternehmen überhaupt. Das Werk Lobau wird innerhalb des Konzerns als „Vorzeigebetrieb“ gehandelt. 60 ArbeiterInnen (mit den Angestellten sind über 200 Leute am Standort beschäftigt) produzieren jährlich über 50.000 Tonnen Schmiermitteln und damit satte Gewinne für Shell.

Mitteilung der Geschäftsführung Ende November 2009: Bis Ende 2010 wird die gesamte Lobauer Niederlassung geschlossen und alle Beschäftigten gekündigt, die Produktion nach China und Russland ausgelagert. Sofort nach Bekanntwerden dieses Plans beschloss die Betriebsversammlung Kampfmaßnahmen, die Gewerkschaften GPA und ProGe sagten „volle Unterstützung“ zu und riefen dazu auf, in die Lobau zu kommen, um die Belegschaft bei ihrer ersten Aktion, einer 48stündigen Betriebsversammlung vor dem Werksgelände, dabei zu unterstützen, die Werkszufahrt zu blockieren.

Am Samstag, 5.12.2009, fuhr eine kleine Gruppe von solidarischen UnterstützerInnen raus und begann, nach Rücksprache mit dem Arbeiterbetriebsrat, mit der Blockade. Die festsitzenden LKW-Fahrer wurden von den Protestierenden mit Tee und Gulasch versorgt, es entspannen sich solidarisch geführte Diskussionen, schließlich standen fast alle Anwesenden auf der Straße: UnterstützerInnen, ArbeiterInnen, Fahrer.

Dann traf ein ProGe-Gewerkschafter ein und erklärte die Blockade für beendet. Die Blockierenden hingegen verlangten eine Diskussion und anschließende Entscheidung der Frage durch die anwesenden Belegschaftsmitglieder. Leider wurde nun sofort abgestimmt und die Beendigung der Blockade beschlossen. Später stellte sich heraus: Kaum jemand hatte von der Abstimmung etwas mitbekommen, die meisten waren enttäuscht über das Ende der Aktion.

In den Gesprächen vor Ort wurde klar, dass ein Sozialplan das Letzte war, was die Leute wollten: sie wollten den Betrieb erhalten, denn sie rechnen durch die Bank damit, lange keinen Job mehr zu finden. Die Blockadeaktion brachte somit mehr Klarheit bezüglich der Ziele des Arbeitskampfes als auch der möglichen Kampfformen. All das wieder zunichte zu machen, betrachtete die Gewerkschaft nun als ihre Hauptaufgabe: Sie machte die kampfbereiten KollegInnen mürbe, indem zwar weiter von Streik die Rede war, dessen Beginn dann aber kurzfristig abgesagt wurde. Parallel dazu handelte die Gewerkschaft mit der Shell-Geschäftsführung einen Sozialplan aus, über dessen Einzelheiten bis heute nichts bekannt wurde.

Mindestens zwei Schlüsse können wir aus diesem kurzen Arbeitskampf ziehen: Niemand soll darauf bauen, dass sein/ihr Job „sicher“ sei, und: Den Erhalt unserer Arbeitsplätze können wir nur dann durchsetzen, wenn wir selbst diskutieren und darüber entscheiden, wofür und wie wir kämpfen!

Dankend übernommen von:  akkrise.wordpress.com

 

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