Kommunistischer Jugendverband (KJV)

Jugendliche ArbeiterInnen aller Länder, vereinigt Euch und kämpft gemeinsam!

1. Mai: Aufruf zu äußerst großem revolutionärem Elan!

Posted by rkjv - Mai 3, 2010

(Gemeinsames Flugblatt der IA*RKP und des RKJV zum 1. Mai 2010) Wahrscheinlich beginnen viele Erklärungen an diesem ersten Mai 2010 ungefähr so: Der heutige Tag steht „im Zeichen der Krise“, … der „tiefsten ökonomischen Krise seit 1929…“ Oder so: „Die Herrschenden versuchen, die Lasten der Krise auf die Arbeiter/innen und Werktätigen abzuwälzen. Lassen wir uns das nicht gefallen, leisten wir Widerstand.“

Einige werden sich auch fragen: Ist die Krise wieder vorbei? Geht es wieder „aufwärts“? Und für wen? Für uns? Was war da mit Blasen? Auf wessen Kosten sind die geplatzt? Und warum überhaupt? Was hat das mit uns zu tun? Krise, Blasen, Staatsbankrotte?

Im Laufe der letzten Monate, eigentlich sind es schon Jahre, konnten wir uns der Meldungen über Spekulationen, Börsen- und Bankgeschäfte, platzende Blasen, Krise und Krisenverlauf kaum erwehren. Aber mit schlüssigen Erklärungen dafür, was da wirklich passiert ist, geschweige denn Erläuterungen darüber, was wir damit zu tun haben, waren die bürgerlichen Ökonomen sowie ihre Auftraggeber und deren Medien sparsam.

Besonders am Anfang der „Finanzkrise“ (die nach der Immobilienblase über „uns“ hereinbrach) sollte der Eindruck vermittelt werden, dass die Börsenspekulanten da was vermurkst haben und uns wurde versucht zu vermitteln, dass „wir“ – auch alle „Nicht-Börsianer“ – damit irgendwas zu tun hätten (und deswegen auch beim Ausbaden dabei sein sollen). Aber welche Proleten interessieren sich schon ernsthaft für die Börsenberichte und Aktienkurse?

Die Berichterstattung in den Medien verfolgt den Zweck, dass wir uns mit dem System identifizieren, es verinnerlichen, damit die Herrschenden uns ihre Schweinereien reindrücken können, damit das bei uns reingeht. Das ist nichts Neues, und bei der Krise ist’s genauso gelaufen.

Oft war auch zu hören: Die Finanzkrise und die Blasen basieren zwar auf der wirklichen Produktion, haben aber eine derartige Eigendynamik entwickelt, dass die eigentlichen Grundlagen des Kapitalismus, die Ausbeutung und Mehrwertproduktion damit nichts zu tun haben. Auch Argumentationsstränge, die solch einer Logik folgen sind dienlich, wenn vertuscht werden soll, wie das System tatsächlich funktioniert.

Und etliche Linke wurden plötzlich ganz hoffnungsfroh und wir hörten sie sagen: „Endlich ist sie da, die Krise, auf die wir so lange gewartet haben.“ Und weiter, dass es ja jetzt nicht mehr lang dauern kann, bis die Proleten zu kämpfen beginnen. Und dann würde es endlich wieder ein „revolutionäres Subjekt“ geben (und wir, die wir jetzt so lange drauf gewartet haben, könnten uns einreihen als „Gleiche unter Gleichen“). Dann kommen auch Revolution und Sozialismus – eigentlich von selbst.

Doch auch solch leichtgläubigen Optimist/innen wird inzwischen klar sein, dass die Ausgebeuteten nicht automatisch wegen der Krise kämpfen. Noch viel weniger kommen Revolution und Sozialismus – automatisch.

Es wären schon Schritte getan, wenn wir unsere Wut, unseren Hass, unsere Enttäuschung und Verzweiflung herauslassen würden, wenn die Herrschenden spüren würden: die Ausgebeuteten haben etwas dagegen, dass sie ihr Leben in diesem System nicht selbst in der Hand haben, sondern fremdbestimmt werden und für die Verbrechen der herrschenden Klasse grade stehen sollen. Seien wir nicht so geduldig!

Wären solche Gedanken verbreitetes Bewusstsein, wären wir schon weiter. Aber nicht weit genug. Denn klar ist doch: Ohne Orientierung und Vorstellungen davon, wohin es gehen soll, werden unsere spontanen Kämpfe schon im Keim erstickt oder kanalisiert. Der Weg ist nicht das Ziel. Wir müssen wissen, wohin wir wollen.

Ohne Bewusstsein über unsere Lage, ohne Einschätzung der Gesellschaft und des Systems bleiben wir ziellos. Wut und Hass, unser Widerstand werden sich nicht ausbreiten können.

Bewusstes politisches Eingreifen ist nötig, wenn gesellschaftliche Veränderungen gelingen sollen. Aber – und hier ist der Haken: politisches Bewusstsein kommt gerade nicht in spontanen Kämpfen zustande. Dazu bedarf es der eingehenden Auseinandersetzung und Beschäftigung, der Analyse, des Studiums der Gesellschaft, ihrer Widersprüche und ihrer Dynamiken.

Wir Kommunist/innen sind nicht so naiv zu denken, dass die Revolution sich zutragen wird, wie wir uns das ausmalen. Anarchisch wird es zugehen, die Ereignisse werden sich überstürzen. Trotzdem sind es die Menschen, die die Geschichte machen (aber nicht aus freien Stücken, sondern unter… „vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen…“ ) Menschen greifen durch ihr bewusstes Handeln ein – auch durch ihr spontanes, „unbewusstes“, freilich. Daher sind Entwicklungen so schwer abzuschätzen, weil so viele Faktoren gleichzeitig wirken. Sicher aber ist: Von selbst geht nix. Wenn wir wollen, dass sich was verändert, müssen wir das tun: Koordiniert und organisiert.

Die Proletarier und Proletarierinnen haben nicht auf kluge Intellektuelle gewartet, die ihnen die Welt erklären. Eher ist es so, dass revolutionäre kommunistische Kräfte (Intellektuelle oder nicht) sich sehr darum werden bemühen müssen, Vertrauen und Verankerung in der Arbeiter/innenklasse zu erreichen. Die Kommunist/innen haben nötig, aufmerksam zu sein, zu beobachten, zu analysieren. Nicht hochmütig werden, nicht zynisch. Die bewusstesten und kämpferischsten Arbeiter/innen müssen für den Kommunismus gewonnen werden, damit der Aufbau einer revolutionären Vorhut-Partei gelingen kann.

Unsere Gewissheit, dass Revolutionen kommen werden, bedeutet nicht, dass wir gläubig einem „ehernen Muss“ der Geschichte anhängen und schon wissen, was wie angeblich „gesetzmäßig“ geschehen wird. Unsere Gewissheit stützt sich auf die geschichtlichen Erfahrungen der kämpfenden Klassen und auf die Analyse der heutigen kapitalistischen/imperialistischen Gesellschaft.

Nicht der Krise stehen wir unversöhnlich gegenüber. Die Krise ist nichts als Ausdruck und Bestandteil des kapitalistischen Systems, dessen unbedingter Teil. Wir haben nicht was gegen die Krise, sondern gegen das System, das auf Ausbeutung und Unterdrückung beruht und Krisen – Überproduktionskrisen und gleichzeitiges Massenelend – gesetzmäßig und regelmäßig hervorbringt.

Wohl stimmt: In akuten Krisenzeiten bietet das System mehr Angriffsflächen. Potenzielle Chancen tun sich auf für Veränderungen. Viele, die was verändern wollen, beschränken sich darauf, reformistische Vorschläge zu machen. Aber um die Möglichkeiten nützen zu können, muss (oder sollten wir sagen: müsste) es bewusste, revolutionäre und organisierte Kräfte geben. Die das System angreifen, müssen imstande sein, gut geplant zu handeln, sonst werden sie nichts wirklich zum Wackeln bringen. Sie müssen sich ihrer Lage bewusst sein, aber sie müssen über das Bewusstsein ihrer Lage hinaus auch etwas Neues zu schaffen imstande sein.

Auch die Meinung, dass jetzt, wo die Krise da ist, der Zusammenbruch des Kapitalismus sowieso vor der Tür stehe (von „finaler Krise“ wurde geredet, von „Weltkrise“) ist unberechtigt. Die Hoffnung, die da dahinter steckt lautet: Der Kapitalismus wird sich von selbst erledigen – zusammenbrechen, und wir… können uns zurücklehnen und abwarten.

Leider haben Kommunist/innen die Fähigkeiten des kapitalistischen Systems zur Selbsterneuerung nicht erst einmal unterschätzt. Und nein: Von selbst erledigt er sich nicht. Das bestehende System ist elastisch und auch die Herrschenden haben aus der Geschichte gelernt und sind flexibel – vielleicht derzeit mehr als wir. Das kapitalistische Werkel ist erweiterbar, es hat keine „natürlichen Grenzen“ wie eine Insel. Der Kapitalismus kann immer weiter akkumulieren und akkumulieren und damit neue Bedürfnisse bei den Menschen erzeugen, die ihn wiederum immer weiter treiben, immer weiter akkumulieren lassen.

Aber überschätzen sollen wir ihn auch nicht. Wir können den Kapitalismus beseitigen, die herrschende Klasse stürzen, das System zerschlagen! Das Führen von Kriegen ist eine Möglichkeit für die Bourgeoisie, einer Krise zeitweilig zu entkommen – neben dem direkten Abwälzen der Lasten der Krise auf die Arbeiter/innen im eigenen Land. Auch aus einer Kriegssituation kann, wie die Geschichte lehrt, revolutionäre Perspektive erwachsen, wenn die organisierte Arbeiter/innenklasse und die Volksmassen es verstehen, die zeitweilige Schwäche der Bourgeoisie auszunützen (natürlich müssen wir trotzdem imperialistische Kriege als Verbrechen der Bourgeoisie an den Proleten und Volksmassen benennen und bekämpfen.)

Es stimmt schon, die Krise schafft Spielraum für revolutionäre Kräfte. Aber nicht automatisch – und das ist, was die revolutionären Kommunist/innen an diesem 1. Mai betonen: Wir müssen größtmögliche Anstrengungen unternehmen, um Bewusstsein zu schaffen dafür, dass dieses System als Ganzes und nicht nur seine momentan offensichtlichsten Auswirkungen unversöhnlich bekämpft und in einer Revolution gestürzt und zerschlagen werden muss. Dafür, dass das nur organisiert gelingen wird und dass es die Ausgebeuteten selbst sind, die ihr Leben in die eigene Hand nehmen müssen.

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