Kommunistischer Jugendverband (KJV)

Jugendliche ArbeiterInnen aller Länder, vereinigt Euch und kämpft gemeinsam!

Frauen! Was haben wir anderes zu verlieren als unsere Ketten?

Posted by rkjv - März 2, 2010

Gemeinsames Flugblatt des Revolutionär-Kommunistischen Jugendverbandes (RKJV) und der Initiative für den Aufbau einer Revolutionär-Kommunistischen Partei (IA*RKP) anlässlich des internationalen Frauentags am 8. März.

Die Stellung der Frauen beruht, wie alles in unserer komplexen Gesellschaft, auf der ökonomischen Basis. (Eleanor Marx und Edward Aveling)


Wer putzt? Wer kocht? Wer wäscht? Wer erzieht unsere Kinder? Die gesamte Arbeitswoche der Arbeiterinnen wird auf 99,6 Stunden geschätzt. Die Arbeiterin soll sich im Bereich der vier „K“ bewegen: Kind, Küche, Kleider, Kirche. Von allen Seiten wird versucht die Frauen ruhig und dumm zu halten und sie zu entpolitisieren. Diese Doppelbelastung durch Lohnarbeit und Arbeit in der Familie, ist die besondere Form der Ausbeutung der erwerbstätigen Frau im Kapitalismus. Die Befreiung der Frau ist kein reiner Geschlechter- oder Reformkampf sondern weiterführend ein Klassenkampf. Wenn wir unsere Lage nicht mehr als Schicksal betrachten sondern endlich die Augen aufmachen dann wird uns auch bewusst wer uns unterdrückt und wie notwendig unser Widerstand sein wird.

Die Proletarierinnen haben zusammen mit den bürgerlichen Frauen wichtige Errungenschaften für die Frauen erkämpf. Die bürgerliche Frauenbefreiung beschränkt sich jedoch auf reinen Reformkampf, sie ist systemimmanent und hat damit heute schon das Limit an einer „Frauenbefreiung“ erreicht. Die bürgerlichen Frauen sind Teil der bürgerlichen Klasse. Das heißt sie kämpften zwar für eine Verbesserung ihrer Lage als Frau, hatten jedoch nicht das Interesse den Kapitalismus abzuschaffen, da sie sich durch die neuen Rechte ein relativ gutes Leben im Kapitalismus einrichten konnten.

Heute sind es Quotenregelungen in Machtpositionen, welche die bürgerlichen Frauen fordern. Die mächtigste Frau auf der Welt sei Angelika Merkel, liest man im Standard. Das heutige Verständnis von Frauenemanzipation wird also daran gemessen wie viele Frauen in den ranghohen Gesellschaftsschichten kursieren, Champagner trinken und sich Kaviar leisten können.

Eine besitzende oder gut verdienende Frau ist keiner Doppelbelastung ausgeliefert, sie bezahlt eine andere Frau, die für sie kocht, putzt und ihre Kinder erzieht. Die Situation der Arbeiterin hingegen ist eine ganz andere. Solange die Arbeit im Haus eine private und Angelegenheit der Frau ist, können sie die „Gleichheiten“ vor dem Gesetz außerhalb des Hauses überhaupt nicht wahrnehmen, denn diese sind rein formell und können nur von einer Elite von Frauen in Anspruch genommen werden. Im Kapitalismus können den Frauen nach einem gewissen Maß an Emanzipation nur mehr Formalitäten zugestanden werden, da sein Wesen die Frauen unterdrückt und er daraus einen Nutzen zieht. Die konsequente Befreiung der Masse der Frauen ist also eine Klassenfrage. Während für die bürgerliche Frau die Verfügungsgewalt über ihre eigenen Produktionsmittel die Freiheit bedeutet, beutet sie als Mitglied der bürgerlichen Klasse die Arbeiterinnen aus.

Die proletarische Frauenbewegung kämpfte um die wirkliche Frauenbefreiung. Sie beteiligte sich an jedem radikalen Reformkampf und erkämpfte den Frauen unter vielen anderen Errungenschaften auch das Recht auf Abtreibung. Sie blieben jedoch nicht stehen bei Zugeständnissen, im Gegenteil dort fing der Kampf überhaupt erst an. Durch die Eingliederung der Frau in den Produktionsprozess unterliegt nun die Arbeiterin demselben Herrn wie der Arbeiter. Sie haben einen gemeinsamen Feind, wobei sich die Arbeiterin in einer besonderen Lage der Ausbeutung befindet. Die Frauen der revolutionären, auch sozialistischen Frauenbewegung genannt, waren sich ihrer Lage bewusst. Nämlich dass sie einen wesentlicher Teil des gesamten ausgebeuteten Proletariats ausmachen und sich das Proletariat nur selbst im Kampf gegen die Ausbeuterklasse befreien kann. Dass die Arbeiterinnen einer besonderen Ausbeutung unterliegen und diese Tatsache die Notwendigkeit hervorbringt, dass sie sich von den Ketten des Patriarchats nur selbst befreien können, indem sie sich organisieren und eigenständig den Kampf aufnehmen.

Indem die Frauen für den Produktionsprozess herangezogen wurden, verfolgte die Bourgeoisie nicht das Interesse die Frauen aus der materiellen Abhängigkeit vom Mann zu befreien. Der Frühkapitalismus zeichnete sich durch eine hohe Produktivitätssteigerung aus, das heißt, dass die Frauen als billigere Arbeitskräfte eingesetzt werden mussten, damit die aufkommende Industrialisierung vorangetrieben werden konnte. Von diesem Zeitpunkt an waren es in jeder Wirtschaftskrise die Frauen, die als erstes von Massenentlassungen betroffen waren. Die Erwerbstätigkeit der Frauen ist abhängig vom jeweiligen Bedarf an weiblichen Arbeitskräften. Vor dem ersten Weltkrieg wurden die Frauen massenhaft in den Produktionsprozess einbezogen, besonders in Munitionsfabriken um männliche Arbeitskräfte für die Front freizusetzen. Jugend-, Arbeiterinnen- und Kinderschutz wurden für die gesamte 1. Weltkriegsdauer aufgehoben. Nicht anders war es vor dem 2.Weltkrieg und in jeder nachfolgenden Krise. Die Frauen im Reproduktionsbereich sind eine industrielle Reservearmee, die herangezogen bzw. zurück an den Herd gedrängt wird wie es dem System gerade passt.

„Die Familie ist die kleinste, aber wertvollste Einheit im Aufbau des ganzen Staatsgefüges.“ das meinte Hitler in seinen Reden. Im Faschismus kam es zur vollkommenen Wiederbelebung der patriarchal-autoritären Familienform. Die Frauen sollten sich ihrem „Naturberuf“ als Ehefrau und Hausfrau widmen. Die unbezahlte Arbeit der Frauen innerhalb der Familie, die ihnen aufgehalst wird, ist notwendig um das kapitalistische System zu erhalten. Die Ehe, mit der die Familie als lebenslängliche Versorgungsinstitution untermauert wird, zeichnet ebenfalls die Besonderheit der doppelten Unterdrückung und Ausbeutung der proletarischen Frauen aus. In unseren Köpfen besteht der Tag aus Arbeit und der Rest wäre dann Freizeit. Das Leben als Arbeiterin oder Arbeiter wird nicht als ganzes gesehen. Du kannst ja nur arbeiten wenn du dich dazwischen wieder erholst, schläfst, isst, deine Bedürfnisse erfüllst. Alles das gehört zur Reproduktion, zur alleinigen Aufgabe der Frau im Haus. Das System zieht einen sehr vorteilhaften Nutzen aus dieser Sache, denn es braucht sich nicht um die Wiederherstellung der Arbeitskraft zu kümmern solange es die Frauen dafür gibt. Gleichzeitig erziehen wir unsere Kinder nach genau den Rollenbildern, die das System für unsere Unterdrückung vorgesehen hat. Wir sind TrägerInnen, VerfechterInnen und VermittlerInnen der bestehenden Werte und Muster nach denen wir für das Kapital gefügig gemacht und zu ausgebildet werden. Ausbeutung und Unterdrückung soll hingenommen werden bzw. gar nicht erst gesehen werden. Es soll nicht lange nachgedacht werden und schon gar nicht nach dem Warum gefragt werden.

Die Familie erfüllt ebenfalls den Zweck eines Ventils zur Machtausübung des Mannes. Dies ist der einzige Bereich im gesellschaftlichen Leben wo ein unterdrückter Arbeiter bestimmen, entscheiden und herrschen kann bzw. so handeln kann wie es ihm sein Rollenbild vorschreibt. Ärger und Frustration kann er innerhalb der Familie Luft machen, ohne eine Gefährdung fürs System darzustellen. Diese autoritären Werte sind fundamental für das Fortbestehen des Kapitalismus. Die Frau hingegen ist verantwortlich ihrer Rolle im Kapitalismus gerecht zu werden. Die Tätigkeiten im Haus behält die Frau in Isolation von der Gesellschaft. Dies spiegelt sich in Verbindung mit der wirtschaftlichen Abhängigkeit auch in der emotionalen Abhängigkeit wieder. Durch die künstliche Trennung der Lebensbereiche wird völlig vernebelt, welch bejahende Stellung wir mit unserer „privaten“ Lebensweise, objektiv, gegenüber dem System einnehmen.

In einer Gesellschaft, in der Geld die Werte bestimmt, ist die Arbeit der Frau wertlos und gilt deshalb nicht als Arbeit. Jedes produzierte Produkt hat im Kapitalismus einen Gebrauchswert und einen Tauschwert. Der Gebrauchswert definiert sich über die Frage ob ein Ding überhaupt benötigt wird. Dann erst gibt es einen Tauschwert, nämlich wenn man dieses brauchbare Ding verkaufen kann. Ein weiterer Fakt der sich daraus ergibt, ist jener, dass der Mensch selbst zur Ware wird indem er gezwungen ist seine Arbeitskraft zu verkaufen und der Körper einer Frau bloß mehr also Objekt und zum Konsum da ist der ebenfalls hervorragend vermarktet wird. Der Kapitalismus ist profitorientiert und seine Grundlage ist die Warenproduktion um zu diesem Profit zu kommen. Der Kapitalismus hat kein Interesse an einer Vergesellschaftung und Entlohnung der Hausarbeit und der Kindererziehung.

Im Sozialismus beispielweise in der Sowjetunion oder der Kulturrevolution in China wurde alles daran gelegt die private Hausarbeit zu kollektivieren. Es wurden Volkskantinen bzw. Gemeindeküchen gebaut, in denen auch Männer arbeiteten. Die Erziehung der Kinder wurde nicht mehr allein den Eltern bzw. den Frauen überlassen sondern vergesellschaftet. Das sind nur mal einige Voraussetzungen, wodurch in einem langen Kampf die materiellen Grundlagen zur Diskriminierung der Frauen entzogen wird.

Patriarchat, Ausbeutung und Unterdrückung werden durch Reformen innerhalb dieses Systems nicht beseitigt. Das System reproduziert diese jeden Tag neu. Erst im Sozialismus können die Bedingungen und Voraussetzungen geschaffen werden, die die Frauen aus ihrer untergeordneten Position herauslöst und sie zu einem gleichberechtigten Teil des Volkes machen. Das heißt jedoch nicht, dass es mit der Umgestaltung der ökonomischen Verhältnisse durch die sozialistische Revolution alleine getan ist. Im Gegenteil; nötig ist die Revolution in den kulturellen und privaten Bereichen des menschlichen Zusammenlebens. Die Befreiung der Frauen und aller vom Kapital Unterdrueckten erfordert die sozialistische Revolution. Also organisieren wir uns heute schon um die Revolution und somit die Befreiung der Frau aus Jahrhunderte langer Knechtschaft voranzutreiben!


Advertisements

Sorry, the comment form is closed at this time.

 
%d Bloggern gefällt das: