Kommunistischer Jugendverband (KJV)

Jugendliche ArbeiterInnen aller Länder, vereinigt Euch und kämpft gemeinsam!

Die dringenden Aufgaben der revolutionären kommunistischen Jugendorganisationen gegenüber den sozialen und wirtschaftlichen Kämpfen heute.

Posted by rkjv - Februar 8, 2010

Am 6. Februar 2010 konnte der 8. Bundeskongress der Neuen Demokratischen Jugend (NDJ), der Jugendorganisation der Föderation türkischer ArbeiterInnen in Europa (ATIGF), in Linz erfolgreich abgehalten werden. Rund 40 Delegierte von Ortsgruppen aus ganz Österreich kamen zusammen um über Entwicklungen auf internationaler und bundesweiter Ebene zu beraten und aus den Diskussionen Schlüsse für die eigene Theorie und Praxis zu ziehen, aber auch um einen selbstkritischen Blick auf die im letzten Jahr geleistete Arbeit zu werfen und diese auszuwerten. Da uns mit der NDJ seit Jahren ein gutes und freundschaftliches Verhältnis verbindet, wurden VertreterInnen des Revolutionär-Kommunistischen Jugendverbandes – RKJV – zur Bundeskonferenz eingeladen. Wir erhielten dort nicht nur die Möglichkeit einen Büchertisch aufbauen zu können, sondern konnten auch eine Rede halten, in der wir die uns im Moment am wichtigsten erscheinenden Aufgaben revolutionärer KommunistInnen gegenüber den sich entwickelnden Klassenkämpfen anhand des Mottos der Konferenz („Nicht unser Bewusstsein ist in der Krise, sondern der Kapitalismus! Organisieren wir uns stärker; Entwickeln wir den internationalen Klassenkampf!“) skizzieren konnten. Wir möchten der NDJ an dieser Stelle nochmals für die Möglichkeit des Redebeitrages danken, wollen ihn aber natürlich auch unseren Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten, weshalb wir ihn nachstehend veröffentlichen…

Liebe GenossInnen der Neuen Demokratischen Jugend,

Zunächst einmal möchte ich Euch für die Einladung unserer Organisation zu Eurer 8. Konferenz und die Möglichkeit hier einen Redebeitrag zu halten, danken. Das zusammenfassende Leitthema der Konferenz lautet „Nicht unser Bewusstsein ist in der Krise, sondern der Kapitalismus! Organisieren wir uns stärker; Entwickeln wir den internationalen Klassenkampf!“. Das ist zweifellos ein wichtiger Leitsatz, denn in den gegenwärtigen und sich entwickelnden Klassenkämpfen, müssen die revolutionären KommunistInnen selbstverständlich genaue Überlegungen anstellen, wie sie sich dazu verhalten und welche Rolle sie in diesen Bewegungen einzunehmen versuchen. Insbesondere den revolutionären Jugendorganisationen fällt dabei wichtige Aufgabe zu, denn wie wir sehen, sind die Bewegungen die es in Österreich und international gibt, sehr stark von der Beteiligung Jugendlicher geprägt.  Das gilt nicht nur für die Oktoberbewegung der StudentInnen in Österreich, sondern auch für die radikale Bewegung der Betriebsbesetzungen in Frankreich und Italien oder die Aufstände Jugendlicher in den Banlieus und in Griechenland. Die revolutionären Organisationen müssen es verstehen, in all diesen Kämpfen nicht nur eine führende Rolle einzunehmen, denn davon allein hat niemand etwas. Wir müssen es viel mehr verstehen, innerhalb dieser Bewegungen einen proletarischen Klassenstandpunkt gegen Reformismus und allerlei Formen bürgerlicher und kleinbürgerlicher Ideologien, die nur dem Imperialismus dienen, durchzusetzen. Wichtig ist dabei, dass wir als Maxime nie die von der Kommunistischen Internationale ausgegebene Losung „Klasse gegen Klasse“ vergessen, sie immer als Leitstern unserer Praxis behalten.  Das heißt, dass sich der Klassenkampf natürlich auch ohne die revolutionären Organisationen vollzieht, was wiederum die Frage aufwirft, warum wir dann am Aufbau revolutionärer Organisationen arbeiten. Ganz einfach deshalb, weil wir meinen, dass wir eine proletarisch-revolutionäre Organisation brauchen die zwar in Aktionen so weit wie möglich treibende Kraft ist, aber auch auf dem Gebiet der Theorie führendes Zentrum sein kann; eine Organisation, die sich wissenschaftlich mit den Erfahrungen bisheriger Bewegungen und den Gegebenheiten der gegenwärtigen Gesellschaft auseinandersetzt und es darüber versteht, eine revolutionäre Perspektive in die Bewegungen zu tragen und in ihnen zu verankern. So können wir innerhalb der Bewegungen eine polarisierende und revolutionierende Rolle spielen, so können wir die Basis für den proletarischen Klassenstandpunkt von sozialistischer Revolution gegen reformistisch Ideen verteidigen und erweitern. Dass eine revolutionäre kommunistische Organisation und längerfristig Partei gerade an diesen Aufgaben wächst, gerade eben nur innerhalb der verschiedenen wirtschaftlichen und sozialen Kämpfe aufgebaut werden kann (und eben nicht abseits der Kämpfe) und hier immer auf dem Boden der Wissenschaft des Kommunismus stehen muss, ist dabei eine Grundvoraussetzung die nur all zu oft taktischen Überlegungen und Zielen geopfert wird. Das, GenossInnen, muss man sich immer wieder ins Bewusstsein zurückholen, denn es darf niemals passieren, dass sich die Klassenorganisation des Proletariats, selbst wenn sie nur in ihrer Keimform, nämlich in Zirkeln, existiert, darauf einlässt, dass sie die Taktik über die Strategie stellt, dass sie die Klassenperspektive der proletarischen Revolution den unmittelbaren Tagesinteressen opfert. Würden wir dazu übergehen, würden wir nicht mehr versuchen können die Avantgarde der Bewegungen zu bilden, sondern wären das Anhängsel der Bewegungen, was bedeuten würde, dass wir objektiv dem Reformismus und damit Imperialismus dienen, deren Agenten in der Bewegung wären, und nicht mehr den Massen. Als revolutionäre KommunistInnen in einem imperialistischen Land wie Österreich, stellt sich uns unmittelbar die Aufgabe der Vorbereitung des Aufstandes, der proletarischen Revolution. Dieses Bewusstsein müssen wir in den Bewegungen und in unseren eigenen Reihen immer wieder aufs Neue verankern und uns immer wieder überlegen, wie wir dementsprechend handeln können, wie wir eine diesen Zielen dienende Praxis entfalten und somit den Bewegungen und den vielen kämpferischen Jugendlichen,  bestmöglich eine proletarisch-revolutionäre Klassenperspektive geben können.

Wenn wir die revolutionäre Klassenperspektive wirklich bis zu einem gewissen Grad in den Bewegungen verankern wollen, dann müssen wir aber auch andere Dinge berücksichtigen. In Österreich sind die Klassenkämpfe äußerst schwach entwickelt, was sich selbstverständlich auch in der Schwäche revolutionärer Organisationen widerspiegelt. Das bedeutet, dass wir alle mit unseren Kräften, mit den personellen und materiellen Ressourcen, gut haushalten müssen. Dieser Umstand macht es oftmals schwer in Bewegungen so eine Rolle zu spielen, wie wir es gerne hätten, so zu polarisieren und revolutionieren, wie wir es als notwendig erachten. Diese Schwäche führt selbstverständlich manchmal auch zu Fehlern der KommunistInnen, davor die Augen zu verschließen, hätte gar keinen Sinn und würde nur den Feinden der ArbeiterInnenklasse und der Massen dienen. Wir müssen uns aber gerade deshalb fragen, was wir tun können, um diesem Zustand unseren Möglichkeiten entsprechend zumindest in gewissen Bereichen des Kampfes zu überwinden. Da möchte ich wieder auf das Leitthema der Konferenz zurückkommen, wo es unter anderem heißt: „Organisieren wir uns stärker!“. Das ist ein zentraler Punkt, und natürlich sind die jeweiligen revolutionären Organisationen immer darum bemüht, neue Mitglieder zu gewinnen bzw. den Leuten in den Bewegungen die Notwendigkeit revolutionärer Organisierung nahezubringen. Doch wir müssen uns auch fragen, wie wir in Klassenkämpfe intervenieren wollen, wenn sich die revolutionären KommunistInnen selbst auf verschiedene Organisationen verteilen, es also nicht einmal eine Organisation gibt, welche die revolutionären KommunistInnen eint. Wie wollen wir in einer Bewegung konsequent den revolutionären Klassenstandpunkt des Proletariats durchsetzen, wenn wir selbst nicht im Besitz der revolutionären Einheit sind? Ihr seht, das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Einheit mit dem Revisionismus und Reformismus würde Einheit mit dem Imperialismus bedeuten, würde dem Klassenkampf in seiner Entwicklung schaden und ihn untergraben, deshalb lehnen wir sie ab. Doch die revolutionäre Einheit der bewussten Teile der Jugend, der KämpferInnen für den Kommunismus, ist eine wichtige Voraussetzung für die Revolutionierung der wirtschaftlichen und sozialen Kämpfe. Deshalb ist es unbedingte Voraussetzung für das kommunistische Eingreifen in den  Klassenkampf, dass wir die revolutionäre Einheit schmieden – nicht am Schreibtisch und in Hinterzimmern, sondern in praktischer Aktion und theoretischem Diskurs, indem wir unser Vorgehen nach „Einheit-Kampf-Einheit“ ausrichten und nicht nach opportunistischer Beliebigkeit. Nur so, unmittelbar in den Kämpfen, können wir die revolutionäre Klassenorganisation der ArbeiterInnenklasse und ihrer Jugend schaffen.

Ein anderes Teilmotto dieser Konferenz ist „Entwickeln wir den internationalen Klassenkampf!“. Als revolutionäre KommunistInnen muss es für uns klar sein, dass unser Kampf ein internationaler ist, dass das Proletariat objektiv weltweit dieselben Interessen hat, dass wir also mit den ProletarierInnen aller Länder in gemeinsamer Front stehen. Doch was bedeutet das für unsere praktische Arbeit, was lassen sich daraus für uns für Schlüsse ziehen? Karl Liebknecht, Mitgründer des Spartakusbundes und der KPD, meinte in seinem berühmt gewordenen Flugblatt gegen den imperialistischen Weltkrieg klar und deutlich: „Der Hauptfeind steht im eigenen Land!“. Nun, widerspricht das nicht dem Satz von Marx und Engels, wo sie meinen, „die Proletarier haben kein Vaterland“? Ganz und gar nicht! Denn natürlich ist der imperialistische Staat niemals der unsere, doch was Liebknecht hier „eigenes Land“ nennt, meint eben die Ausbeutungsverhältnisse unter denen man konkret lebt, die „eigene“ Bourgeoisie im Sinne von jener, von der man konkret ausgebeutet wird. Wie können wir dem internationalen Klassenkampf dienen, außer mit Delegationen, politischen Treffen wo wir uns austauschen und Solidaritätsaktionen? Ganz einfach hauptsächlich indem wir uns hier, wo wir leben und arbeiten, zusammenschließen und gegen unseren Hauptfeind – die österreichische Bourgeoisie ankämpfen! Wir müssen verstehen, dass unser Kampf immer ein Internationaler ist, und die revolutionären KommunistInnen dabei jeweils KämpferInnen an einem bestimmten „Frontabschnitt“ sein müssen – nämlich in jenem dem Land in dem sie leben und arbeiten! Unsere Perspektive muss im revolutionären Umsturz jener kapitalistisch/imperialistischen Verhältnisse liegen, die uns niederdrücken, denn indem wir hierzulande auf revolutionäre Art und Weise in den Klassenkampf eingreifen, dienen wir den ausgebluteten und unterdrückten Völkern der Welt, dienen wir den Kämpfen der weltweiten ArbeiterInnenklasse, weil wir hier unser Bestmögliches geben um die Front der Bourgeoisie zu zerschlagen. Das ist der Internationalismus der Tat, dass man die Revolution dort vorzubereiten hilft und dort als Perspektive ins Auge fasst, wo man lebt und ausgebeutet wird. Um besser in die Kämpfe vor Ort eingreifen zu können, um die richtige Linie zu entwickeln, müssen wir voneinander lernen, müssen wir uns die Theorie und Praxis der GenossInnen anderer Länder genau ansehen uns darüber auszutauschen. Wir müssen uns eng vernetzen und dementsprechende Kontakte aufbauen, und natürlich wünschen sich die revolutionären KommunistInnen aller Länder eine stabile und handlungsfähige neue Internationale als scharfe Waffe im internationalen Klassenkampf. So eine Internationale ist heute aber nicht in Sicht, und wird es unserer Meinung nach auch noch längere Zeit nicht sein, denn woher soll sie denn kommen, wenn die revolutionären Organisationen in den einzelnen Ländern noch nicht einmal im Besitz der revolutionären Einheit sind und daher auch noch nicht in der Lage sein können, mit solcher Intensität wie Notwendig in die Klassenkämpfe einzugreifen. Ihr seht GenossInnen, vor uns stehen große Aufgaben, doch wir sind zuversichtlich, dass wir sie, wenn wir mit der richtigen Methode herangehen, gemeinsam durchaus lösen können.

Voran mit NDJ und RKJV! Jugendliche ArbeiterInnen aller Länder, vereinigt euch und kämpft gemeinsam!

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