Kommunistischer Jugendverband (KJV)

Jugendliche ArbeiterInnen aller Länder, vereinigt Euch und kämpft gemeinsam!

Kampf um das volle Recht auf Schwangerschaftsabbruch…

Posted by rkjv - Januar 22, 2010

Aus: Roter Morgen Nr.25 

Niemand hat das Recht die Frau in ihren Grundrechten so zu beschneiden wie es die Religion und das bürgerliche, gegenwärtige, Herrschaftssystem, “gerechtfertigt” über ihre Moral- und Wertekonstrukte, tun.  Staat und Kirche legen den Frauen seit Jahrhunderten Zwänge auf, und diese Verbindung kommt nicht von ungefähr. Immerhin ist die Religion eines der Unterdrückungswerkzeuge und geht alleine schon deswegen Hand in Hand mit den Herrschenden, die es gut verstehen aus diesem Werkzeug ihren Nutzen zu ziehen, nämlich die Massen dadurch niederzuhalten.

 

Die Religion lehrt uns mit Unwissenheit und Machtlosigkeit zufrieden zu sein, uns den bürgerlichen und göttlichen Autoritäten unterzuordnen und zu tun was man uns befiehlt. Damit setzt sie Zwänge gegenüber den Massen durch. Einer davon war der Gebärzwang, also der Zwang im Falle einer Schwangerschaft das Kind auch auszutragen, egal unter welchen Bedingungen, unabhängig vom Willen der Frau. Im alten Testament hieß es: So lange die Leibesfrucht noch nicht vollständig ausgebildet ist, soll eine Buße für Abtreibung gezahlt werden ansonsten gilt die Todesstrafe. Ebenso drohte der Frau wenn sie im Hitlerfaschismus die Schwangerschaft abbrechen wollte die Todesstrafe, nur lag die „Rechtfertigung“ diesmal nicht mehr ausschließlich in der „göttlichen Bestimmung“, sondern ebenso im „Volkskörper“, den man durch einen Schwangerschaftsabbruch schädigen würde. Es wäre jedoch ganz falsch zu glauben, dass sich in früheren Zeiten kein Widerstand gegen diese Repressionen regte und die Frauen solcherlei einfach über sich ergehen ließen. Als 1931 die zwei fortschrittlichen Ärzte Friedrich Woolf und Jakobowitz Kienle verhaftet wurden weil sie Frauen zum Schwangerschaftsabbruch verhalfen, wurde beispielsweise eine Massendemonstration von Frauen mobilisiert die sich entschieden für die Freilassung der beiden Ärzte einsetzte.

Das heute bestehende Teilrecht auf Schwangerschaftsabbruch, hat über Jahre hart erkämpft werden müssen. Tausende von entschlossenen Frauen trauten sich damals (1971) auf die Straße um ihre Selbstbestimmtheit kund zu geben, trotz der Angst im Hinterkopf, aufgrund ihres Engagements am nächsten Tag ihren Mann oder den Arbeitsplatz zu verlieren. Dank ihnen dürfen Frauen seit 1975 innerhalb der ersten drei Monate nach der Schwangerschaft abtreiben ohne dafür verfolgt zu werden. Trotz dem Fortschritt, den diese Regelung, offiziell Fristenlösung genannt, darstellt, muss aber auch gesagt werden, dass es nur halbes Recht ist.  Formal ist eine Abtreibung nämlich immer noch illegal (die betroffenen Frauen und die Ärzte werden halt nicht strafrechtlich verfolgt) was dazu führt, dass das medizinische Angebot eines Schwangerschaftsabbruchs nach dem „good will“ der jeweiligen ÄrztInnen gestaltet wird, und kein grundsätzlich verankertes Recht ist, das überall gleichermaßen in Anspruch genommen werden kann. Dieser Umstand führt in Österreich nach wie vor zu einem latenten Fortbestehen illegaler Schwangerschaftsabbrüche, was für viele Frauen katastrophale Folgen hat, alleine schon aufgrund der, bei einem illegalen Schwangerschaftsabbruch nicht gegebenen angemessenen Vor- und Nachversorgung der betroffenen Frau. Der Arzt verlangt die entsprechende Geldsumme, der Eingriff dauert eine halbe Stunde, dann kann man wieder nach Hause gehen. Es werden keinerlei Begleitungsmöglichkeiten angeboten. Besonders junge Frauen werden wortwörtlich im Stich gelassen. Die Fristenlösung ist, auch wenn es ein Schritt in die richtige Richtung war, aufgrund der genannten Problematiken eine Scheinlösung – was nicht verwundert, entstand sie ja auch durch einen Kompromiss mit religiösen Organisationen und Institutionen, welche sich vehement gegen eine Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen einsetzten. In Österreich ist es somit eine wichtige Aufgabe, das volle Recht auf Schwangerschaftsabbruch endgültig durchzusetzen, gegen den Widerstand aus kirchlichen und anderen bürgerlichen Kreisen, und endlich über den Kompromiss Fristenlösung hinauszugehen. In anderen Ländern gibt es jedoch nicht einmal  so einen Kompromiss wie die Fristenlösung, dort, z.B. in Malta, wird ein Schwangerschaftsabbruch heute noch als eine schwere Straftat angesehen. Weltweit sterben jährlich weit über 200.000 Frauen an den Folgen illegaler Schwangerschaftsabbrüche. Ein Fötus, der in Wirklichkeit aus einem Gebilde von Stammzellen besteht, hat zwar alle Voraussetzungen zu einem Embryo zu werden, ist jedoch vollkommen abhängig vom Körper der Frau, also Teil desselben. Die Frauen zu zwingen ein Baby in ihrem Körper heranwachsen zu lassen, ist also nicht nur Ausbeutung ihrer biologischen Fähigkeit als Frau, sondern auch der brutale Zwang ihr Leben danach auszurichten.

Eine Abtreibung kostet in Österreich zwischen 400 und 1000 Euro. Der enorme Unterschied besteht aufgrund der wenigen Abtreibungskliniken in öffentlichen Einrichtungen. So sind es in Tirol oder Vorarlberg ausschließlich Privatärzte (bei denen man sich diesen Eingriff erstmal leisten können muss) die diesen Eingriff vornehmen. Deshalb entsteht ein Phänomen von dem man auch als “Abtreibungstourismus” spricht, da nicht wenige Frauen nach Wien fahren um sich den Fötus entfernen zu lassen. Als weitere unterdrückende Kraft gegenüber den schwangeren Frauen (vor allem bei Mädchen), kommt das “traditionelle, anständige” Familienbild hinzu. In ihm wird eigenständige Sexualität, passiert sie nicht in der vorgegebenen Norm (Ehe,…), tabuisiert wenn nicht gar geleugnet.

Das Leben im Kapitalismus ist für die meisten Frauen nicht leicht, denn die Masse der Frauen unterliegt neben der Ausbeutung ihrer Arbeitskraft auch einer verschärften Unterdrückung durch das Patriarchat, die unmittelbare Vorherrschaft der Männer über sie. Die Kosten für das Leben eines Arbeiters bzw. einer Arbeiterin sind gerade einmal zu bewältigen. Im kapitalistischen System wird eben alles vermarktet, alles wird zur Ware. Wir denken uns, jeder Fortschritt für die Menschen muss ihnen auch absolut frei zur Verfügung stehen. Ein Forschen nach den Bedürfnissen der Menschen, und eben nicht nach Profitinteressen der Kapitalisten, kann aber nur in einer in einer Gesellschaft die von den Massen selbst in der Hand gehalten wird, verwirklicht werden. Im Sozialismus, der ArbeiterInnenmacht. Sie dient unmittelbar den Interessen der Werktätigen, und führt den Klassenkampf gegen alle Elemente ehemaliger Unterdrückung fort. Dadurch, durch die Umgestaltung der Produktion, die Beseitigung der Profitinteressen des Kapitals und den bewussten ideologischen Kampf gegen die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, können Bedingungen geschaffen werden, in denen es nicht mehr notwendig ist einen Schwangerschaftsabbruch vorzunehmen. Die gesellschaftliche Lage der Frauen im Sozialismus entzieht einem Schwangerschaftsabbruch die Grundlage insofern, als dass im Rahmen gesellschaftlicher Erziehung und Versorgung der Kinder, genug Zeit und Ressourcen für sie da sind. Erziehung wird nicht mehr als Aufgabe der Einzelnen, sondern als Aufgabe der Gesellschaft wahrgenommen.

Nur was können wir heute tun? Betreffend der oben skizzierten Umstände, ist eine wichtige Aufgabe selbstverständlich der Kampf für ein legales, kostenloses und anonymes Abtreibungsrecht, das flächendeckend zur Verfügung steht, und nicht nur vereinzelt. Bei so einem Ziel stehen zu bleiben, ist für uns, als revolutionäre KommunistInnen, jedoch nicht möglich. Zwar gehen wir natürlich für Reformen die eine Verbesserung der sozialen Lage der Massen darstellen auf die Straße, setzen uns dafür ein, doch sehen wir den Kampf um Reformen insofern immer nur als “untergeordnete” Aufgabe, weil wir wissen, dass Reformen im Kapitalismus bestenfalls in Teilbereichen zu Verbesserungen führen, doch selbst das nicht zwangsläufig. Reformen können, schon alleine ihrem Wesen nach, niemals die Wurzel des Übels, den Kapitalismus selbst, bekämpfen, sondern diese Wurzel nur besser kaschieren, erträglicher machen. Wir führen den Kampf um Frauenbefreiung, also auch um das Recht auf Schwangerschaftsabbruch, als Kampf gegen den Kapitalismus. Er bringt, wie auch die Klassengesellschaften vor ihm, patriarchale Strukturen, Frauenunterdrückung, immer wieder in den verschiedensten Facetten hervor, weshalb wir wissen, dass wir ihn zerschlagen müssen  wenn wir unsere Lage tatsächlich fundamental verändern wollen.

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